Die unmoralischen Vorbilder der Schönheitsindustrie

- Autor: Hessam Kordian -

Ich schalte den Fernseher ein und sehe Werbung. Worum geht es? Um eine Hautcreme für Männer. Der US-Schauspieler Patrick Dempsey wirbt mit dem Slogan „Weil wir es uns wert sind.“ Ich brauche diese teure Creme nicht. Als Geschöpf Gottes und Muslim bin ich mir auch so wertvoll genug. Aber es gibt andere Menschen, die sich sowas kaufen. Für sie wurde diese Werbung gemacht. Sie sind bereit tief in die Tasche zu greifen, um den vorgegebenen Schönheitsidealen zu entsprechen.

Nach einer Studie verbringen 20 Prozent der Frauen mehr als 60 Minuten vor dem Spiegel. Doch die Werbung, die ich sah, war nicht an Frauen gerichtet. Das gepriesene Produkt war eine Hautcreme für Männer. Die Schönheitsindustrie hat sich auf die Fahnen geschrieben, die Sehnsucht des Menschen nach Unsterblichkeit und ewiger Jugend zu stillen.

Der Schaytan verführte Prophet Adam (ع) auf gleicher Weise, wie die heutigen Schönheitsidole. Prophet Adam (ع) lebte glücklich im Paradies, als der Schaytan zu ihm kam und flüsterte: „Soll ich dir einen Weg zeigen, wie du unsterblich und machtvoll wirst?“ Der Schaytan versprach Macht und Unsterblichkeit. Zwei Sehnsüchte des Menschen die seit seiner Existenz präsent sind. Von der Sehnsucht nach ewiger Jugend, Schönheit und Unsterblichkeit lebt ein ganzer Wirtschaftszweig. Reiche Menschen lassen sich kurz vor ihrem Tod lebendig einfrieren, in der Hoffnung eines Tages wieder aufgetaut zu werden. Sie glauben tatsächlich in der Zukunft einfach weiterleben zu können.Die Menschen wissen jedoch, dass der Wunsch nach Unsterblichkeit ein Traum bleiben wird, denn in dieser Welt ist alles vergänglich. Jedes Atom ist der Zeit unterworfen. Deshalb geht man einen anderen Weg. Man möchte den Alterungsprozess verhindern. Der Mensch weiß von seiner Vergänglichkeit, aber er will wenigstens jung und schön sterben! Bereits Kleopatra badete in Eselmilch. Heute spricht man von „Anti-Aging“, also Altershemmung. Botox-Lippen, Silikon-Oberweiten, Sonnenstudio-Haut, …

Nicht das ihr mich falsch versteht. Schönheit, Ästhetik und Gesundheit haben ihren festen Platz im Islam. Wenn wir schön sein möchten, benötigen wir eine Quelle der Schönheit. Allah (swt) ist diese Quelle. Er lehrt uns das Gute und leitet uns zum Schönen. Der Islam erzieht uns zur inneren und äußeren Schönheit. In einer Überlieferung heißt es: „Gott ist schön und liebt die Schönheit“. Imam Sadiq (ع) sagte auch: „Gott liebt Schönheit und Zierde. Er lehnt es ab, wenn jemand Armut und Nichts-Haben zur Schau stellt. Er sieht es gern, wenn sich die Menschen des Segens, den Er ihnen gab, bedienen, dass ihre Kleidung, reinlich und ordentlich ist, sie sich mit angenehmem Duft umgeben, ihr Heim pflegen, schmücken und reinlich halten und vor Sonnenuntergang das Licht im Hause anzünden. Dieses alles hält Armut von ihnen fern und vermehrt ihr täglich Brot.“

Aber in Deutschland wird nur die äußere Schönheit gelehrt. Keine Werbung ohne nackte Frauen. Schönheit ist zum Instrument des Kapitalismus geworden. Der französische Soziologe Bourdieu spricht bereits vom „körperlichen Kapital“. Die Medien verherrlichen bestimmte Körpernormen, die von der Modewelt vorgegeben werden. Und die Menschen dieser Gesellschaft? Sie haben Angst vor sozialer Ausgrenzung. Aus diesem Grund sind sie bereit sich freiwillig fremdbestimmen zu lassen. Die Trendsetter geben die Trends vor und die Masse imitiert den Lebensstil der falschen Vorbilder.

Das Leben, wird uns gelehrt, ist ein Kampf: Zwischen Geschwistern um den größten Nachtisch, im Sandkasten um die Schaufel, in der Schule um gute Noten. Um Geld, Anerkennung und Führung im Beruf. Um Ressourcen und Macht zwischen Staaten. Um Schönheit, Stärke und Intelligenz in der Liebe. Wer sich in der modernen Gesellschaft mehr Sozialprestige wünscht, muss mehr von sich zeigen. Bescheidenheit ist fehl am Platz. Wer etwas hat, darf nicht geizen.

Der Körperkult ist für manche zur Religion geworden. Auch unter Muslimen gibt es Opfer. Die Brüder tragen ihre Palästinensertücher als Modeaccessoire, nicht aus Solidarität mit den Unterdrückten. Sie bauen sich Muskelberge auf, aber nicht um Imam Mahdi (a.) zu helfen. Bei den Schwestern dasselbe Bild. Sie tragen den Hidschab kunterbunt. Sie glitzern in allen Farben. Ihr Hidschab, der sie vor fremden Blicken schützen und die Reize bedecken sollte, wird zum Blickfang und verliert somit völlig seinen Sinn.

Die Pseudo-Islamexperten sprechen vom „Pop-Islam“. Sind wir Popmuslime oder Anhänger des Propheten (saw)? Wer sind wir eigentlich und was sind unsere Werte? Darüber sollten wir nachdenken.

Hilfsquellen & weiterführende Literatur: The Beauty of Charity by Ahmed KuwaityLiberation by the VeilThe Concept of Love in the Shi’i Creed

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  • Br.Hassan 11. September 2009 at 18:39

    Salam Aleikom

    Mascha Allah Bruder Hessam,
    sehr schöner Artikel und schöne Gedankengänge.
    Islam-ist-Frieden wird mir immer symphatischer wenn das so weiter geht wird Islam-ist-Frieden.de meine neue Startseite.

    WaSalam

  • Hessam 11. September 2009 at 21:47

    As-salamu alaikum wr wb

    :-D Da muss ich mich wohl weiter bemühen.

    Wa alaikum as-salam

  • jany 18. September 2009 at 10:02

    Salam brother,

    mashaallah!bin sehr beeindruckt von diesem Artikel und von islam-ist-frieden im Gesamten.
    ist auf jeden Fall eine meiner favourites im web.keep going.freu mich auf viele weitere interessante Beiträge.

    masaalama.

  • Hessam 3. Oktober 2009 at 02:12
  • Hessam 27. November 2009 at 12:01

    Die Jugendlichen stehen Schlange, um sich von Heidi Klum und Dieter Bohlen öffentlich erniedrigen zu lassen. An einer Casting-Show teilzunehmen, ist für viele ein Traum tatsächlich aber ein Alptraum.

    http://www.youtube.com/watch?v=2Wmu9nb53yc

  • Hessam 17. Dezember 2009 at 09:28

    Urbanes Leben erhöht den Druck, attraktiv sein zu wollen

    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31747/1.html

  • Hessam 2. Januar 2010 at 03:20

    As-salamu alaikum wa rahmatullahi wa barakatuh,

    die Werte des Kapitalismus widersprechen den monotheistischen Religionen. Beim Kapitalismus darf niemand bescheiden und genügsam sein. Der Mensch muss gierig, neidisch, kauflustig, angeberisch, egozentrisch und arrogant sein. Er muss Luxus lieben und sein Reichtum zeigen. Er muss in Wettstreit treten mit allen Reichen, um noch mehr zu konsumieren. Das ewige Ziel ist die Schaffung künstlicher Bedürfnisse. Nur so bleibt der Kreislauf intakt.

    Wa alaikum as-salam

  • Suheda 26. Januar 2010 at 20:58

    Salam alaikum,
    vorweg jazakallahu khair für die schönen Beiträge in IiF und
    subhanAllah der text gefällt mir sehr. ich mag den schreibstil und die denkweise.

    dieses thema “werbungen in Medien” liegt mir zur zeit auch sehr nahe und ich mache immer wieder die Erfahrung, dass der Islam die einzige und die beste lösung für eine moralische gesellschaft ist

    vassalam

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