Das Gute (ma’aruf) zu gebieten und das Schlechte (munkar) zu verwehren sind zwei wichtige islamische Prinzipien. Die Gesellschaft entwickelt sich zum Positiven und in Richtung Vollkommenheit (communitas perfecta), wenn die Menschen diese zwei Handlungsprinzipien beachten.
Imam Ali (Friede sei mit ihm) sagte: „Alle Pflichten wie das Fasten, die Pilgerfahrt, die Almosensteuer, … und sogar das Bemühen auf dem Wege Gottes, sind verglichen mit dem Gebieten des Guten und Verwehren des Schlechten, wie eine kleine Menge Wasser gegenüber einem uferlosen, tiefen Meer.“
Als Anhänger des Islam tragen wir eine besondere Verantwortung. Im Koran werden wir von Allah aufgefordert eine aktive Gemeinschaft zu sein (3:104): „Und aus euch soll eine Gemeinschaft von Leuten werden, die zum Guten einlädt und das gebietet, was Rechtens ist und das Unrecht verbietet. Sie sind es, denen es wohl ergehen wird.“ Wir müssen uns darum bemühen der Motor des Guten und die Bremse des Schlechten zu sein.
Prävention durch eine aktive Gemeinschaft
Dabei dürfen wir nicht nur an uns selber denken. Wir müssen auch lernen unseren Mitmenschen bei ihrer Entwicklung zu helfen. Im Koran lesen wir (5:2): „Helft einander zur Frömmigkeit und Gottesfurcht, aber nicht zur Sünde und Übertretung!“ Die freundschaftliche Atmosphäre und die gegenseitige Liebe verpflichten dem Freund zum Guten zu raten.
Ratschläge und weise Ermahnung (nasiha) stärken das Band der Geschwisterlichkeit untereinander. In einer solchen Gemeinschaft von wohlerzogenen Menschen herrscht Gerechtigkeit, Solidarität, Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft. Die einzelnen Mitglieder wetteifern miteinander nach guten Taten.
Folgen von Schweigsamkeit und Passivität
Wenn in der Gesellschaft das Gute nicht mehr gebietet und das Schlechte nicht mehr verwehrt wird, vermehren sich die Sünden der Menschen. Das Schädliche und Verwerfliche setzt sich durch und wird integraler Bestandteil der Kultur. Die Gesellschaft verliert die Orientierung. Es entstehen unislamische Traditionen, die von Generation zu Generation weiter gegeben werden.
Der Islam lehnt den westlichen Individualismus-Kult ab. Eine Gesellschaft kann nur richtig funktionieren, wenn alle sich für einander interessieren. Deshalb darf niemand seine Mitmenschen ignorieren und sich nur um sich selber zu kümmern. Durch das Gebieten des Guten und Verwehren des Schlechten, wird den Muslimen die Gleichgültigkeit verboten.
Imam Ali (der Friede sei mit ihm) sagte: „Derjenige unter Euch, der es unterlässt, das Gute zu gebieten und das Böse zu verwehren, und zwar mit Worten, mit seinem Herzen und mit Taten, der ist ein Toter unter den Lebenden.“ Jemand der nichts unternimmt gegen Fehlentwicklungen innerhalb der Gesellschaft, verliert an Menschlichkeit und ist islamisch gesehen ein „Toter unter den Lebenden“.
Vorrausetzungen für eine Verbesserung
Doch der Islam lehnt eine passive Lebenseinstellung ab. Wir müssen lebendig sein, mitfühlen und mitanpacken. Das können wir am Besten, indem wir uns Wissen aneignen. Durch Bildung kann man seine Mitmenschen aufklären, aber das allein reicht nicht aus.
Neben Wissen benötigt man auch eine gewisse Glaubwürdigkeit. Wer selber den Islam nicht praktiziert, aber anderen dazu rät, wirkt unglaubwürdig. Wer hingegen sein islamisches Wissen auch in der Praxis umsetzt, erntet Respekt und Vertrauen. Nur das Wort eines glaubhaften und gebildeten Menschen kann tief in das Herz der Zweifler gelangen und zur nachhaltigen Veränderungen führen.
Autor: Hessam Kordian








Ein wirklich wunderbar mit wahren Worten beschmückter Text!Danke.