- Autor: Hessam Kordian -
Wenn ich zum Flughafen fahre, um selber zu verreisen oder mich von meinen Liebsten zu verabschieden, fallen mir immer die Menschen in den Cafés auf. Sie kleben an den Fensterscheiben und beobachten die startenden und landenden Flugzeuge aus der Ferne. Bei großen Flughäfen gibt es sogar spezielle Besucherterrassen für die Schaulustigen. Was fasziniert diese Menschen? Die moderne Technik? Die melancholische Atmosphäre? Oder ist es das Fliegen?
Wie fliegt eigentlich ein Flugzeug und warum haben wir auch zwei „Flügel“?
Ein Flugzeug hebt von der Erde ab, indem es die Luftmassen nach unten drückt. Das Gewicht des Flugzeugs ist die Kraft und der Auftrieb die Gegenkraft (3. Newtonsche Gesetz). Wenn eines der zwei Flügel schwerer, leichter, länger oder kürzer wäre, würde das Flugzeug nicht richtig abheben können. Kein Pilot dieser Welt könnte eine solche Maschine lenken.Wir Menschen besitzen auch zwei „Flügel“, die in Balance sein müssen, wenn wir abheben möchten in Richtung Allah (swt). Der eine Flügel ist die Triebseele. Der andere Flügel ist der göttliche Geist, der uns vom Schöpfer eingehaucht wurde (siehe 15:28-29). Der Geist ist unsere Verbindung zum Allmächtigen. Genauso wie die zwei Flügel des Flugzeugs, benötigen wir eine harmonische Balance zwischen der Triebseele und dem Geist.
Die Triebe müssen mithilfe der Geisteskraft gebändigt werden. Der Mensch muss sich zur Menschlichkeit erziehen. Im heiligen Koran heißt es (siehe 28:50): „Und wer ist irrender als der, der seine eigenen Neigungen befolgt ohne Führung Allahs?“ Nach Lust und Laune zu Leben ist äußerst schädlich. Wenn wir die Kontrolle über unsere Triebe verlieren, begehen wir große Sünden. Jede Sünde und jede kriminelle Handlung hat seine Ursache in der menschlichen Unausgeglichenheit. Die Probleme dieses Lebensstils sind nicht unbekannt. In Deutschland spricht man offen über „Lustmaximierung“ oder die „Spaßgesellschaft“.
Warum lügen wir? Warum klauen wir? Warum werden wir aggressiv?
Weil wir unsere innere Balance verloren haben. Das Gleichgewicht ist weg! Einer unserer „Flügel“ ist zu leicht, zu schwer, zu kurz, zu lang. Wir können nicht richtig abheben. Der Seelenzustand wirkt sich auf den Körper aus. Wir werden träge, lustlos und meiden die Arbeit. Stattdessen suchen wir nach Erholung bei den Sünden. Unsere weiße Weste wird befleckt von Unreinheit und die Triebe verleiten uns zu animalischen Verhaltenszügen.
Ein Beispiel: Während meiner Zivildienstzeit im Krankenhaus gaffte mein Arbeitskollege ständig den Frauen hinterher. Er nannte das „abscannen“. Als ich dieses Wort aus seinem Mund hörte war ich fassungslos. Er „scannt“ Frauen mit seinen Augen? Was für ein widerlicher Gedanke. Würde es ihm gefallen, wenn ein anderer Mann seine Mutter, seine Schwester oder gar seine Frau so „abscannen“ würde? Sicherlich nicht.
Imam Ali (ع) sagte: „Wer nicht Herr seiner Triebe ist, kann nicht Herr seines Verstandes sein.“ Wir müssen lernen weder Sklaven anderer Menschen, noch der eigenen Begierden zu werden. Anders ist Freiheit nicht zu erlangen. Ayatollah Morteza Motahhari (ra.) schrieb: „Der Mensch wird von zwei Arten des Ego beherrscht, einem animalischen und einem menschlichen Ego. Wenn man im Geist frei sein will, kann man sich nicht seinen Gelüsten und Trieben hingeben.“ Trefflicher kann man es nicht ausdrücken.












A Salam alaikum Bruder,
Danke für diesen wunderbaren Artikel,…schönens Eid-Geschenk!
Ein wunderschönes Gleichniss. Ein Gleichniss aus den Gleichnissen:) die Allah swt uns vor die Augen hält.
waSalam