B i s m i l l a h
Sehr geehrte Besucher & liebe Geschwister im Islam, der Friede Gottes sei mit euch. Ich bin Hessam und IiF ist mein experimenteller Islamblog. Nach langjähriger Gemeindearbeit und Organisator diverser Veranstaltungen, beschloss ich dieses virtuelle Tagebuch ins Leben zu rufen. Der Inhalt setzt sich zusammen aus persönlichen Eindrücken, Gedanken und Erfahrungen aus dem Alltag und dem aktuellem Weltgeschehen aus muslimischer Sicht. Die Blogbeiträge sollen inschaallah und idealerweise aufklären, zum Nachdenken anregen und vor allem den kritischen Blick schärfen.

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Das Gebet

Die demütige Geisteshaltung vor dem Gebet

Spiritualität tanken durch die geistige Himmelsreise

- Autor: Hessam Kordian -

Wie kann es eigentlich sein, dass das fünfmalige Gebet für manche Menschen anstrengend und sinnlos ist? Ist das Gebet etwa zu schwer? Ist es zu mühsam sich fünfmal täglich zu konzentrieren? Liegt das Problem beim Gebet oder beim Betenden? Sind wir zu faul oder ist das Gebet zu anstrengend?

Das Problem kann nicht im Gebet liegen, denn das Gebet ist eines der schönsten Erfahrungen die man machen kann. Es gehört zu den ältesten Praktiken der Menschheit! Seitdem es Menschen auf dieser Welt gibt wird gebetet. Das Gebet ist für die Menschen so essentiell, wie die Nahrung. Überall auf der Welt entstanden Religionen. Jede Glaubensgemeinschaft hat dabei seinen eigenen Gebetsritus entwickelt. Also am Gebet kann es nicht liegen, denn die Menschen sehnen sich danach.

Das Problem liegt bei uns Menschen. Wenn du beim Beten nichts empfindest, machst du etwas falsch. Denn man kann dabei sehr viel empfinden, wenn man es richtig macht. Das Gebet ist nämlich keine körperliche Übung. Das ist nur die äußere Schale. Das richtige Gebet bedarf der Vorbereitung. Was tun Menschen die meditieren wollen? Sie schließen ihre Augen. Warum? Weil sie sich so besser konzentrieren können. Sie fokussieren ihre Aufmerksamkeit auf einen Gedanken. Und genau dasselbe versuchen wir auch, wenn wir uns hinstellen und das Gebet mit den Worten „Allahu Akbar“ beginnen.

Mit der Lobpreisung des Allmächtigen beginnt das Gebet.

Wir fokussieren uns auf Allah.

Jeder anderer Gedanke wird zweitrangig.

Imam Ali sagte: „Allah wird kein Bittgebet (Dua) annehmen, das ohne die Anwesenheit des Herzens rezitiert wird.“ Also ohne Aufmerksamkeit und Konzentration ist das Gebet nicht viel wert. Diesen Punkt nennt man die Gegenwart des Herzens oder auf arabisch Huzur ul-Qalb.

Huzur ul-Qalb kann man nicht durch einen Knopfdruck bekommen. Huzur ul-Qalb ist ein langer Prozess. Man muss seine Seele reinigen und sich fernhalten von Sünden. Man muss sein Herz rein halten. Wenn jemand vor dem Gebet verbotene sündhafte Musik hört, wird er sein Gebet nicht mit der nötigen Ergebenheit und Unterwürfigkeit beginnen können.

Imam Khomeini (ra) schreibt in seinem Buch (Adabus Salat), dass man sein Gebet im Zustand von Khuschu verrichten sollte. Was ist Khuschu? Khuschu bezeichnet die Anwesenheit des Herzens während der Anbetung, während der Ibadah. Es beschreibt das demütige Herz, dass sich der Größe und Allmacht Allahs bewusst ist. Der Prophet sagte, dass ein Betender ohne Khuschu nur die körperliche Anstrengung verspürt. Er wird nichts anderes fühlen, als die körperlichen Bewegungen. Es ist also kein Wunder, dass einige Menschen sagen: „Ich fühle nichts beim Gebet. Es ist anstrengend, lästig und langweilig.“

Es ist langweilig für sie, weil sie kein Khuschu im Herzen haben. Sie sagen Allahu Akbar, aber ihre Gedanken sind ganz woanders. Prophet Muhammad sagte: „Manchmal wird nur die Hälfte eines Gebetes akzeptiert, während zu anderen Zeiten nur ein Drittel, ein Viertel, ein Fünftel oder ein Zehntel davon angenommen werden. Manche Gebete werden dem Betenden wie ein zusammengeknüllter alter Stoff auf den Kopf gehämmert. Eigentlich wird nur der Teil des Gebetes von euch angenommen, in dem ihr euch mit ganzem Herzen Allah dem Allmächtigen zugewandt habt.“

Im heiligen Koran wird über die Bani Israel gesagt, dass eines der Hauptgründe für ihren Untergang, die Vernachlässigung ihrer Gebete war. Die erste Generation war gottesfürchtig. Die zweite Generation war nachlässig. Im Koran heißt es weiter, dass wenn jemand seine Gebete vernachlässigt, er seinem Ego verfallen wird. Das Gebet hat also eine Schutzfunktion. Wovor soll es schützen? Vor dem triebhaften, tierischen Verhalten. Gelüste und Triebe sollen kontrolliert werden vom Verstand.

Das Gebet erzieht unseren Charakter fünfmal am Tag. Prophet Muhammad sagte: „Soll ich euch eine Waffe vorstellen, die euch von Übel der Feinde schützt und eure eigene Moral stärkt? So rufe nach deinem Herrn Tag und Nacht, denn das Bittgebet (dua) ist das Schutzschild eines jeden Gläubigen.“ Prophet Muhammad sagte auch in einer anderen Überlieferung (hadis), dass er an dieser Welt drei Dinge liebt. Eines davon ist das Gebet.

Er liebte das Gebet aus ganzem Herzen. Er sagte zu Bilal, er solle sich vorbereiten zum Gebetsruf (adhan). Der Prophet konnte den Beginn der Gebetszeit kaum abwarten. So sehr freute er sich. Wenn er in die Moschee ging zum Beten, dann war er stets vor dem Gebetsruf anwesend. Wie ist es bei uns? Wir kommen meist, wenn das Gebet schon begonnen hat. Dann rennen wir an der Menge vorbei und verrichten ein Turbogebet, um den Anschluss nicht zu verlieren. Wo ist hier die Konzentration? Wo ist hier die geistige Demut? Der Prophet kam als erster in die Moschee und ging als Letzter. Wir machen es genau andersherum. Wir kommen als Letzter und gehen als Erster!

Ein Kommentar zu Die demütige Geisteshaltung vor dem Gebet

  • Ergänzung

    In einer langen Überlieferung wird Imam Baqir (ع) wie folgt zitiert: „Wenn du zum Gebet aufstehst, schenke ihm deine Aufmerksamkeit, denn aus dem Gebet wird dir das zugerechnet, was du deine Aufmerksamkeit geschenkt hast. So spiele weder mit deinen Händen noch mit deinem Kopf noch mit deinem Bart herum und sprich nicht mit dir selbst (Gedankenreisen) und gähne nicht (…), denn dies alles zieht vom Gebetlohn (sawab) ab und steh zum Gebet weder faul noch müde noch schwer auf, denn das ist ein Zeichen von Heuchelei, denn Allah hat es den Gläubigen verboten, dass sie berauscht zum Gebet aufstehen und meinte dabei den Rausch des Schlafes und Er sagte den Heuchlern: Und wenn sie zum Gebet aufstehen, stehen sie faul auf, sie geben bei den Menschen an und sie Gedenken Allah nicht, außer ein wenig.”

    Man kann diese Überlieferung auch abkürzen, denn der erste Satz fasst die Gesamtaussage bündig zusammen: Ein unaufmerksam verrichtetes Gebet bringt wenig Segen (sawab).

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