
Wahre Überzeugung kann niemals durch Unterdrückung und Zwang entstehen. Allah sagt dazu im Heiligen Koran (2:256): „Es gibt keinen Zwang in der Religion. Der rechte Weg (des Glaubens) ist (durch die Verkündigung des Islam) klar geworden gegenüber dem unrichtigen. Wer nun an die Götzen nicht glaubt, aber von Allah überzeugt ist, hat gewiss den sichersten Halt ergriffen, bei dem es kein Zerreißen gibt. Und Allah ist Allhörend, Allwissend.“
Glaubensfreiheit ist ein ganz wichtiger Aspekt im Islam. Allah möchte, dass wir uns freiwillig für den Glauben entscheiden. In einem weiteren Koranvers (10:99) heißt es hierzu : „Und hätte dein Herr es gewollt, so hätten alle, die insgesamt auf der Erde sind, geglaubt. Willst du also die Menschen dazu zwingen, Überzeugte zu werden?“
Wissen führt zu einem Bewusstsein für die Religion
Ein zweiter wichtiger Aspekt ist Wissen, Weisheit und ein richtiges Verständnis von der Religion. Prophet Muhammad hatte den Auftrag die Nachlässigen zu ermahnen und die Unwissenden zum Wissenserwerb anzuregen. Erstere besaßen Wissen, aber sie handelten nicht danach. Letztere waren ungebildet und mussten zum Wissenserwerb erst ermahnt werden.
Ohne Wissen und Bildung versteht man weder die theoretischen Glaubensinhalte, noch kann man den Glauben im Alltag islamkonform praktizieren. Aus diesen Gründen hat Allah den Wissenserwerb für die Muslime zu einer religiösen Verpflichtung gemacht. Ein Glaube der nicht auf Wissen basiert ist bei Allah nahezu wertlos. Wer nämlich nicht versteht woran er glaubt, ahmt die Religion nur blind nach.
Der Unwissende kann den Islam nicht aus eigener und freier Überzeugung praktizieren, so wie es Allah den Muslimen vorgeschrieben hat. Zwar kann er an den Islam glauben und sich bemühen die göttlichen Gesetze zu praktizieren, aber sein Glaube fußt auf einem wackeligen Fundament und ist durchzogen von Fehlern und falschen Absichten. Die Gefahr eine Sünde zu begehen ist für ihn sehr hoch.
Der Wissende hingegen weiß, wie er sich zu verhalten hat. Er kennt seine Verpflichtungen gegenüber Allah und fühlt sich schuldig, wenn er sündigt. Er ist stets bemüht seine Handlungen mit reiner Absicht auszuführen. Durch sein Wissen hat er ein Gespür entwickelt für die listigen Pläne des Schaytans. Sein Bewusstsein ist aktiv und schützt ihn. Sobald eine Gefahr droht, wird er durch seine innere Stimme – seinem Gewissen – alarmiert.
Der lange Weg zum richtigen Islamverständnis
Um uns der Wahrheit anzunähern, müssen wir Fragen stellen. Bei der Wahrheitsfindung sind Zurückhaltung und Nachlässigkeit nicht angebracht. Sie behindern nur Fortschritt und Entwicklung. Selbstverschuldete Unmündigkeit führt uns unweigerlich zur Verdummung. Wir beginnen wieder das Erlernte zu vergessen.
Dabei fordert uns der Koran immer wieder dazu auf Fragen an uns und unserer Umgebung zu stellen. Wir sollen uns bemühen die Philosophie hinter den göttlichen Gesetzen zu verstehen. Mithilfe des Verstandes können wir das Wissen richtig einordnen und die Wahrheit orten. Der Verstand ist unser Kompass, um im Dschungel der verschiedenen Meinungen nicht den Überblick zu verlieren.
Autor: Hessam Kordian
Quellen-, Link- und Literaturverzeichnis
- Autor: Ayatullah Motahhari – Buch: Verhalten und Benehmen
- Autor: Ayatollah Makarem Schirazi – Buch: Religious Questions Answered







