Muslim, Christ oder Jude – Spielt das eine Rolle?

Einige “muslimische Intellektuelle” der Neuzeit versuchen die Theorie vom Pluralismus (nach u.a. Immanuel Kant, John Hicks) auf den Islam zu projizieren. Um ihren Standpunkt zu festigen, bedienen sie sich des Korans. Dabei ignorieren sie jedoch den Kontext der Verse. Ihr bekanntestes Argument in dieser Debatte ist die Definition des Wortes Islam.

Sie behaupten, dass die Hauptbotschaft Allahs die Unterwerfung (submission) Ihm gegenüber sei und dass es keine Rolle spielen würde, ob dies nun durch Abraham, Moses, Jesus oder Muhammad erreicht wird. Nach dieser Theorie würde es also keinen Unterschied machen, ob man Muslim, Christ oder Jude wäre, denn letztendlich würden alle abrahamitischen Religionen zu dem selben Ziel führen. 

Stimmt das? 

Zu aller erst müssen wir festhalten, dass der Islam mit den Wörtern Unterwerfung und Hingabe durchaus beschrieben werden kann. Der Islam ist die Religion der freiwilligen Unterwerfung, aber die Realität der Unterwerfung hat zu jeder Zeit eine spezielle Form. Und in dieser Zeit ist es die Form, die uns der letzte Prophet – Prophet Muhammad (Friede sei mit ihm) – gebracht hat. Daraus folgern wir, dass mit dem Wort Islam (Unterwerfung) nur diese endgültige Form gemeint ist und keine andere Form aus der Vergangenheit.

Unterwerfung bedeutet den konkreten Anweisungen Allahs zu gehorchen und es liegt auf der Hand, dass man dabei immer auf die letzten und endgültigen Anordnungen achtet. Die letzten und endgültigen Anordnungen wurde durch das Siegel der Propheten überbracht. Daher heißt es im Koran: „Wahrlich, die einzig wahre Religion bei Allah ist der Islam. Und die, denen das Buch gegeben ward, wurden uneins, erst nachdem das Wissen zu ihnen gekommen war, aus gegenseitigem Neid. Und wer die Zeichen Allahs leugnet – dann, wahrlich, ist Allah schnell im Abrechnen. Debattieren sie aber mit dir, so sprich: «Ich habe mich Allah ergeben und ebenso die, die mir folgen.» Und sprich zu jenen, denen das Buch gegeben ward, und zu den Analphabeten: «Habt ihr euch ergeben?» Haben sie sich ergeben, dann sind sie sicher auf dem rechten Weg, wenden sie sich aber zurück, dann obliegt dir nur die Verkündigung; und Allah achtet wohl der Diener.“ (3:19-20)

Der Islam – Die einzig wahre Religion

Diese Verse sprechen eine eindeutige Sprache. Hier wird zweifellos gesagt, dass mit „Al-Islam“ die Form von Unterwerfung gemeint ist, die der Prophet Muhammad  überbracht hat und keine andere Form. Die Leute der Schrift (Juden und Christen) stehen in Opposition zu dieser Form der Unterwerfung. Daher werden sie dazu aufgerufen sich Allah zu unterwerfen und Muhammad anzuerkennen. Dieselbe Nachricht wird den Götzenanbetern in Mekka überbracht. Juden, Christen und die Götzenanbeter gehen einen falschen Weg, wenn sie Prophet Muhammad und seine Gefährten ablehnen.

Mit „Al-Islam“ ist die „Unterwerfung unter dem Willen Allahs” durch die letzte Botschaft, welche von Prophet Muhammad überbracht wurde gemeint und nicht durch die vorherigen Propheten. In dem selben Kapitel des Korans heißt es: Suchen sie eine andere Glaubenslehre als Allahs Religion? Ihm hat sich ergeben, wer in den Himmeln und auf der Erde ist, gehorsam oder wider Willen, und zu ihm werden sie zurückkehren. Sprich: Wir sind überzeugt von Allah und von dem, was auf uns herabgesandt worden ist, und was herabgesandt worden ist auf Abraham und Ismael und Isaak und Jakob und die Stämme, und was Moses und Jesus und den Propheten von ihrem Herrn zugekommen ist; wir machen keinen Unterschied zwischen einem von ihnen, und wir sind ihm Ergebene. Und wer eine andere Glaubenslehre sucht als den Islam: nimmer soll sie von ihm angenommen werden, und im Jenseits wird er unter den Verlierenden sein. (3:83-85)

Diese Verse erklären die Grundlagen der Religion und dazu gehört der Glaube an „das, was zu uns herabgesandt wurde (Koran) und was herabgesandt ward zu Abraham und Ismail und Jakob und den Nachfahren, und was gegeben ward Moses (Thora) und Jesus (Bibel) und anderen Propheten von ihrem Herrn“. Ein Muslim, ein Unterwerfender, ist also nur jemand, der alle Propheten anerkennt und keine Unterschiede zwischen ihnen macht.

In Sura al-Baqarah steht im 137. Vers: „Und wenn sie glauben, wie ihr geglaubt habt; dann sind sie rechtgeleitet; falls sie jedoch umkehren, bringen sie Spaltung, aber Allah wird dir sicherlich genügen gegen sie, denn Er ist der Allhörende, der Allwissende.“ Dieser Vers weist noch mal daraufhin, dass Juden und Christen nur rechtgeleitet werden, wenn sie so glauben wie die Muslime.

Friedliche Koexistenz ohne Zwang zum Ungehorsam

Wenn andere Religionen konkurrierende Wege zu Gott wären, hätte der Prophet des Islams nicht versucht die Menschen zum Islam aufzurufen. In seinen Briefen lädt er Nichtmuslime immer wieder zum geraden Weg (siratul mustaqim) ein. Nach dem Friedensvertrag von Hudaybiyya schickte der Prophet Botschafter zu den Führern und Stämmen auf der arabischen Halbinsel, um ihnen die endgültige Religion zu bringen.

Laut Historiker verschickte der Prophet ungefähr 25 Einladungsbriefe. Auch beim Ereignis von Mubahala wird deutlich, dass es nur einen wahren Weg zu Allah gibt. Damals stritten die Christen von Nadschran mit dem Propheten über die Wahrheit. Es heißt, dass sie unter Führung von Abdul Masih (Diener des Messias) zu Prophet Muhammad gekommen waren und es einen Disput darüber gab, ob Jesus der Sohn Gottes sei, was von Prophet Muhammad abgelehnt wurde.

Der Glaube an den Islam als einzige authentische und wahre Religion bedeutet jedoch keinesfalls, dass alle Nichtmuslime in die Hölle kommen. Im Koran wird mehrmals darauf hingewiesen, dass Muslime sich um Toleranz bemühen müssen, besonders mit den Anhängern der Schriftreligionen. In diesem Vers geht es zum Beispiel um polytheistische Eltern und dem richtigen Umgang mit ihnen: „Doch wenn sie mit dir eifern, damit du Mir das zur Seite setzest, wovon du keine Kenntnis hast, dann gehorche ihnen nicht. In weltlichen Dingen aber verkehre mit ihnen auf geziemende Weise.“ (31:15) Muslime sollten aufpassen keine Übertretungen zu begehen, aber mit Nichtmuslimen trotzdem freundlichen Kontakt pflegen. Obwohl sich unsere Wege im Jenseits trennen werden, sind wir verpflichtet uns im Diesseits um eine friedliche Koexistenz zu bemühen.

Autor: Hessam Kordian

Quellenverzeichnis 

  • “Islam and Religious Pluralism” von Prof. Dr. Gary Carl Muhammad Lengenhausen
  • “Islam and Religious Pluralism” von Ayatullah Mutahhari
  • “Islam and Religious Pluralism” von Sayyid Muhammad Rizvi 
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  • Jasmin 15. Januar 2012 at 03:16

    Salam aleikum wa ruhmatullahi wa barakatur,
    Bruder ich danke dir herzlich, für solch einen informativen Post.
    Wie immer sind deine Post sehr lehreich und interessant.

    Möge Allah swt dich für deine Mühen reichlich belohnen.
    Inshaallah ya rabb

    wasalam Jasmin

  • Hessam 15. Januar 2012 at 09:58

    @ Jasmin

    Vielen Dank für deinen Kommentar. Es freut mich, dass dir der Beitrag so gut gefällt.

  • dina 2. Februar 2012 at 11:27

    spielt eine rolle wenn man ein anderen man heirtet der kein muslim ist

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