- Autor: Hessam Kordian –
Der Tod ist eine Realität. Davor gibt es kein entrinnen, auch nicht für mich. Jedes Lebenswesen wird früher oder später den Tod erfahren. Meine Lebenszeit wurde von Allah festgelegt. Sie endet, wenn die bestimmte Stunde gekommen ist. Dann erscheint der Todesengel Azrail. Was ist seine Aufgabe? Seine Aufgabe ist die Loslösung meiner Seele. Mein materieller Körper bleibt und verwest unter der Erde. Aber meine Seele lebt weiter. Und dann? Dann endet mein Aufenthalt auf dieser Erde und das Leben geht weiter auf einer anderen Art und Weise. Denn mein Bewusstsein bleibt lebendig.
Die Welt ist die Saat des Jenseits und der Tod nicht das Ende des Lebens, sondern das Tor zur Ewigkeit und der Anfang eines neuen Bewusstseins. – Imam-ul-Ummah Sayyid Ali Khamenei
Die Menschen in der deutschen Gesellschaft gehen ganz unterschiedlich mit dem Thema Tod um. Viele möchten einfach nicht darüber reden. Der Tod ist scheinbar ein zu ernstes Thema. Sie versuchen es zu verdrängen, als wäre es kein Bestandteil des Seins. Allein, dass ich darüber schreibe, stößt bei einigen auf Kritik. Muss man darüber schreiben? Natürlich. Denn der Tod betrifft uns alle und ist immer präsent. Um uns herum stirbt dauernd irgendetwas, ob materiell (z.B. Zellen) oder immateriell (z.B. ein Teil unserer Identität stirbt).Verdrängungsmethoden der Welttrunkenen
Der weltverliebte Mensch sieht nur das Diesseits. Seine unerfüllten Wünsche sind unzählig. Für ihn zählt nur das hier und jetzt, darum muss jede Minute maximal ausgekostet werden. Er verhält sich wie ein unaufmerksamer Autofahrer, der die rote Ampel an der Kreuzung übersieht. Die große Liebe zu dieser Welt vernebelt seine Sicht. Er wird unaufmerksam und übersieht die Zeichen des Todes. Der Todesengel Azrail kündigt sich nämlich an:
- Die Haare werden weiß
- Der Gang wird steif
- Die Sehschärfe nimmt ab
- Die Bandscheiben machen Probleme
- …
Kurz: Alterungszeichen am gesamten Körper. Imam Ali (ع) sagte auch: „Dein graues Haar ist dein Todesbote.“ Aber die Weltverliebten denken über diese Zeichen nicht nach. Im heiligen Quran wird über sie gesagt: „Sie haben Herzen, mit denen sie nicht begreifen, und sie haben Augen, mit denen sie nicht sehen, und sie haben Ohren, mit denen sie nicht hören (7:179).“ Diese Menschen leben vor sich hin, ohne die Zeichen der Zeit richtig zu begreifen. Wir Muslime müssen diese Menschen wach rütteln aus der Trunkenheit.
Haben wir kein Gut der Welt, so quält uns das Verlangen. Haben wirs, ist unser Fuß in seiner Lust gefangen. Unruhvoller ist doch nichts als der Genuss der Welt: Ob man ihn besitz, ob nicht, gleichwohl ist man gequält. – Saadi
Eine Frage der Zeit
Unabhängig davon zu welcher Menschengruppe wir gehören und welche Sichtweise wir vertreten, wir werden alle mit dem Tod konfrontiert, ob wir wollen oder nicht. Im Koran heißt es: „Wo immer ihr auch seid, der Tod ereilt euch doch, und wäret ihr in hohen Prunktürmen (4:78).“ Es ist also nur eine Frage der Zeit bis der Todesengel Azrail an die Tür klopft. Imam Ali (ع) sagte: „Jeder Atemzug bringt dich deiner festgesetzten Zeit (dem Tod) näher.“
Er sagte auch: „Keiner der Abwesenden, ist so nah wie der Tod. O Menschen!… Wer auf der Oberfläche dieser Erde geht, wird (bald) in ihrem Innern sein. Der Tag und die Nacht zerstören eilig das Alter. Und jeder, der Speichel hat, hat auch eine Speise und jeder Korn hat einen, der ihn isst und du bist die Speise des Todes. Und wer im Wissen über die Tage ist, wird es nicht verpassen sich vorzubereiten. Weder ein reicher wird sich mit seinem Geld vor dem Tod retten können noch kein Armer wird sich wegen seiner Armut vom Tod retten können.“
Prophet Muhammad (ص) sagte: „Niemand durchquert einen Friedhof, ohne dass der Tote zu ihm ruft: O, du nachlässige Person! Wenn du wüsstest, was wir bereits wissen – so würde dein Blut zu Eis erstarren.”
Angst vor dem Tod?
Ein guter Muslim, der sich ausführlich mit diesem Thema befasst hat, dürfte keine Angst haben vor dem Tod. Warum? Weil der Mensch sich nur vor fremden und unbekannten Sachen fürchtet. Aber wir finden in den islamischen Quellen zahlreiche Verweise auf dieses Thema. Wenn wir also unserer Wissenspflicht nachgekommen sind, dürften wir keine Angst haben. Die Beschäftigung mit dem Tod führt nämlich zu mehr Ruhe und Gelassenheit. Imam Ali (ص) sagte: „Der Mensch ist Feind dessen was er nicht versteht.“
Ein Beispiel: Stellen wir uns vor, jemand würde zu uns sagen: „Im diesem Wald ist ein altes Haus und jeder der da hinein gegangen ist, ist nie wieder herausgekommen.“ Würdest du in das Haus eintreten? Nein. Warum nicht? Weil du Angst hast. Das Haus ist dir vollkommen fremd. Eigentlich dürftest du keine Angst haben, denn du weißt überhaupt nicht, was mit den Menschen geschehen ist. Du kannst nur Vermutungen anstellen. Vielleicht lebt darin ein Mörder oder das alte Haus ist voller Fallgruben? Wirklich wissen tust du es nicht. Trotzdem hältst du dich lieber fern. Denn dein Verstand stellt einen Vergleich an. Die Erkenntnis die du dabei gewinnst lautet: Der jetzige Standort ist bekannt und sicher, wohingegen das alte Haus im Wald unbekannt und mit großer Wahrscheinlichkeit unsicher ist. Dieser fast unbewusste Vergleich beruht auf dem menschlichen „Selbsterhaltungstrieb“.
Wir bekommen auch Angst, wenn der Taxifahrer schneller als erlaubt fährt. Warum? Weil die Möglichkeit besteht, dass wir durch einen Autounfall das Leben verlieren. Alle Geschöpfe sind instinktiv darum bemüht ihr Leben zu bewahren und vor Angriffen und Gefahren zu schützen. Der „Selbsterhaltungstrieb“ hat eine praktische Schutzfunktion. Das Leben zu kostbar, als dass man es leichtsinnig riskiert. Der Gläubige muss rechtzeitige Vorkehrungen treffen, damit der Tod ihn nicht überrascht. Auch diese Reise kann unfreiwillig Last-Minute gebucht werden.








Salâm..
Ja, so ist das. Wir nehmen die Merkmale gar nicht war. Graue Haare werden schnell mal per Färbung wieder braun und Fältchen werden einfach geliftet. So einfach geht das. Denken wir zumindest. Denn auch vieles Geld und das Verdrängen des Todes halten diesen nicht davon ab auch uns eines Tages zu besuchen. Wann dieser Tag ist, das weiß nur Gott.
As-salamu alaikum wr wb
@Canan
Der Mensch hat die Sehnsucht nach ewiger Schönheit (Jugend) und Unsterblichkeit. Das hängt mit seiner Fitra zusammen.
Wa alaikum as-salam
Salâmu Alaykum,
Ja,so ist es. Grade wir hier im Westen.. Aber je schneller die Einsicht desto besser: Sterben werden wir alle irgendwann.
wa Salâm
Asalamu aleikum, sehr schöner Artikel mashaAllah. Ich denke auch, desto mehr der Iman im Herzen steigt, desto mehr legt sich die Angst. Egal welche Angst man hat, man muss immer Allahs gedenken und auf Ihn (swt) vertrauen. Dann hat man inshaAllah auch keine Angst.
Ich denke auch das viel Angst die man hat vom Sheytan ist, das er uns EInflüstern will an diesem Leben festzuhalten und uns vor dem Tod zu fürchten. Der Sheytan und unser Nafs lassen uns manchmal vergessen wofür wir leben…
Wa Salam
As-salamu alaykum,
vielen Dank für deinen Kommentar. Dein Beitrag ist richtig und erinnerte mich an das Interview mit David Mayonga, welches ich vor wenigen Tagen überflog. Darin berichtet er über seinen Weg zum Islam und wie der Glaube ihm half seine Flugangst zu bewältigen —> http://bit.ly/miKTqi
Wa alaykum as-salam