Ali nur ein guter Freund des Propheten?!

- Ein fiktiver Gastbeitrag -

Letzte Woche war ich bei Musa, meinem türkischen Freund. Wir sprachen über alle möglichen Themen des Alltags und wie so oft in letzter Zeit, auch über den Islam. Ich erzählte ihm etwas über den Tag von Ghadir. Jenem Tag, an dem Prophet Muhammad (Friede sei mit ihm) seinen Cousin und Bruder im Glauben Ali ibn Abi Talib (Friede sei mit ihm) zu seinem Nachfolger ernannte.

Als Musa das Wort „Nachfolger“ hörte, schaute er mich erzürnt an: “Ich kenne die Geschichten über Ghadir. Prophet Muhammad hat Ali nicht zu seinem Nachfolger ernannt. Er sagte nur: ‚Wessen Mawla ich bin, dessen Mawla ist auch Ali.’ Unsere Gelehrten sagen, dass das arabische Wort Mawla 15 verschiedene Bedeutungen haben kann. Wieso sollte es ausgerechnet Nachfolger heißen? Der Prophet wollte an diesem besonderen Tag nur zum Ausdruck bringen, dass Ali der Freund und Helfer der Muslime ist. Nicht mehr und nicht weniger.“

Ich war erstaunt über seine Antwort. „Das glaubst du doch nicht wirklich oder?“, fragte ich ihn. Musa antwortete, ohne lange nachzudenken: „Wieso nicht? Er wollte deutlich machen, welche besondere Stellung Ali innerhalb der Gemeinschaft hat. Deshalb verglich er Ali mit sich selbst.“    

Als ich am Abend wieder nach Hause fuhr, musste ich über Musa’s Worte nachdenken. Imam Ali nur ein guter Freund des Propheten?! Wie konnte er nur so etwas glauben? Zu Hause angekommen verrichtete ich das Nachtgebet. Ich bat Allah darum Musa recht zu leiten. Plötzlich kam mir eine Idee in den Sinn. Ich griff zu Stift und Papier und notierte meinen Gedanken.

Gestern war es dann endlich soweit. Der Zeitpunkt war reif, um das Niedergeschriebene zu realisieren. Musa und seine Familie waren gerade auf dem Rückweg von einer Veranstaltung in der türkischen Moschee. Also griff ich zu meinem Handy und rief ihn an: „Hallo Musa, inscha’Allah geht es dir gut? Du sag mal, bist du gerade hier in der Nähe?“ Musa antwortete: „Mir geht gut, danke der Nachfrage. Wir sind gerade auf der Rückreise. Warum?“ 

Ich sagte ihm, dass er sofort umkehren müsste, weil ich ihm etwas sehr wichtiges zu sagen hätte. Musa sagte: „Ich kann jetzt nicht zu dir kommen. Meine Familie sitzt mit im Auto und wir sind alle erschöpft von der langen Fahrt. Vielleicht ein anderes Mal.“ Er versuchte mich loszuwerden, aber ich ließ nicht locker: „Es ist wirklich wichtig Musa. Sag deinem Vater er soll umkehren.“ So blieb ihm keine andere Wahl, als auf mich zu hören.

Als es klingelte, rannte ich die Treppen hinunter und öffnete die Tür. Vor mir stand, sichtlich genervt, Musa. „Was ist los? Was musst du mir sagen? Ist irgendetwas passiert?“, fragte er mich neugierig. „Nein, alles bestens! Mach dir bloß keine Sorgen. Ich wollte dir nur von deinen Eltern und Geschwistern einmal sagen, dass du ein wirklich guter Bruder für mich bist. Wenn ich dich brauche, bist du für mich da.“ 

Musa verstand mich nicht. Ich sah ihm seine Wut an. „Das kann doch nicht dein Ernst sein? Wir sind extra umgekehrt, um hierher zu kommen und nun sagst du mir so einen Unsinn? Ich glaube du bist verrückt geworden. Das hättest du mir doch auch am Telefon sagen können.“ „Ich will dir sagen, warum ich dich rief,” sagte ich mit kühler Stimme. “Erinnerst du dich noch an unsere hitzige Diskussion letzte Woche. Wir sprachen über die Ereignisse von Ghadir und da sagtest du zu mir, dass der Prophet Ali nicht zu seinem Nachfolger bestimmte, sondern nur deutlich machen wollte, dass er sein Freund wäre. Erinnerst du dich an deine Worte?“ „Ja“, antwortete Musa.

Ich fuhr fort: „Ich rief dich an, um dich zurück zu rufen, so wie es Prophet Muhammad bei Ghadir mit seinen Gefährten tat. All diejenigen, die vorausgegangen waren wurden zurückgerufen. Auf all diejenigen, die nachkamen wartete der Prophet geduldig. Am Ende waren über 100.000 Muslime anwesend. Vor dieser riesigen Menschenmenge bestieg der Prophet die Kanzel und hielt einer seiner letzten Reden, bevor er drei Monate später verstarb. Der Höhepunkt war der Augenblick, an dem er Alis Hand ergriff und ihn zu seinem Nachfolger bestimmte.“

„Musa, du kannst nicht einmal glauben, dass ich dich nur zurück rief, um dir zu sagen, dass du für mich ein wahrer Freund bist. Wie kannst du dann glauben, dass der heilige Prophet des Islams, jung und alt, Mann und Frau, Gesunde und Erschöpfte – über 100.000 Muslime – in der brennenden Sonne versammeln ließ, nur um zu verkünden, dass Ali sein Freund wäre? Wie kannst du so einen Unsinn glauben? Musa musste lächeln: „Ich habe deinen Punkt verstanden. Ja, du hast recht. Es macht einfach keinen Sinn. Das Wort ,Mawla’ kann nicht Freund bedeuten.“  

  • Ein fiktiver Gastbeitrag von Umm Mahdi
  • Überarbeitung von Hessam Kordian
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