
Die islamische Ehe ist ein Segen, weil die sich ergänzenden Eigenschaften von Mann und Frau durch den Ehebund vereinigt werden. Die Lebenspartner, die sich mit dem Jawort für die Einheit aussprechen, können sich fortan aktiv unterstützen, um das diesseitige und jenseitige Leben noch erfolgreicher zu bestreiten. Die Ehe ist jedoch nicht nur ein Geben, sondern auch ein Nehmen und Bekommen. Liebe, Schutz, Geborgenheit, Harmonie, Frieden, Gesundheit und Glauben zählen allesamt zu den Vorzügen einer idealen islamischen Ehe.
Doch wie kommt man in den Genuss dieser Vorzüge? Zuerst einmal muss man den Willen und eine reine Absicht zur Heirat haben. Danach folgt der schwierige Part, nämlich die intensive Auseinandersetzung mit diesem Thema und seinen vielen facettenreichen Unterthemen. Es gibt viele Geschwister, die heiraten möchten, aber sie wissen nicht wie. Andere wissen nicht wen. Wiederum andere haben bereits jemanden im Visier, aber sie sind sich noch nicht sicher oder die Familie ist mit ihrer Entscheidung nicht einverstanden. Wo auch immer das Problem liegen mag, eines steht fest: Die Ehefrage zählt zu den größten Herausforderungen mit der junge Muslime weltweit konfrontiert sind.
In unserer Zeit stehen viele Heiratswillige vor einem Dilemma: Auf der einen Seite gibt es familiäre und kulturelle Traditionen. Auf der anderen Seite gibt es den westlichen Lebensstil, in der nahezu alles erlaubt ist. Junge Muslime in Deutschland sind oftmals irritiert und können keinen Mittelweg finden. Sie befinden sich in einem Konflikt zwischen der Zufriedenstellung der Familie und der Selbstverwirklichung. Aus diesem Grund möchte ich in diesem Artikel auf einige wichtige Punkte kurz eingehen.
Freie Partnerwahl
Das islamische Model des Sichkennenlernens beinhaltet sowohl traditionelle als auch moderne Vorstellungen. Ein Aspekt ist die freie Wahl des Ehepartners. Im Islam darf kein Mensch gegen seinen Willen verheiratet werden. Der Ehevertrag einer erzwungen Ehe ist ungültig. Erlaubt sind hingegen Partnervorschläge aus der Familie oder dem Freundeskreis. Die Familie kann ihre Erfahrungen teilen und mit wertvollen Ratschlägen unterstützend den Weg zur Heirat begleiten. Das letzte Wort hat jedoch immer der bzw. die Heiratswillige.
Geduld statt Eile
Die Wahl der Ehepartnerin sollte wohlüberlegt sein. Eine Ehe die nur auf Gefühle basiert oder aus Verzweiflung geschieht, weil man nicht mehr alleine sein möchte, endet meist in einer Katastrophe. Die Hormone allein dürfen nicht darüber entscheiden, wen wir heiraten. Liebe ist ganz wichtig, aber nicht das einzige was für eine gute Ehe notwendig ist. Die Heirat darf nicht auf eine emotionale und körperliche Sensation reduziert werden. Man muss sich ausreichend Zeit nehmen, geduldig sein und forschen.
Unperfekter Mann sucht perfekte Frau
Ansprüche und bestimmte Erwartungen zu haben sind grundsätzlich positiv, denn es zeugt davon, dass man sich ernsthafte Gedanken macht. Die Ansprüche dürfen jedoch nicht übertrieben hoch sein. Eine wählerische Natur kann sehr hinderlich sein auf dem Weg eine gute Frau zu finden. Wer ständig Vergleiche anstellt und mit der Lupe nach Fehlern sucht, findet immer irgendetwas Kritikwürdiges. Es nützt nichts nach der perfekten Partnerin Ausschau zu halten, wenn man selber nicht perfekt ist.
Liebe macht blind
Wenn wir verliebt sind, sehen wir die Welt mit anderen Augen. Genauer gesagt, neigen wir dazu eventuelle Probleme klein zu reden oder erst einmal zu ignorieren. Man sagt auch, dass der Verliebte alles durch eine rosarote Brille betrachtet. Als Verliebter sollte man nie seinen Verstand ausschalten und sich von seinen Gefühlen treiben lassen. Jeder Mensch braucht ein Radar, um auch mögliche Gefahren erkennen zu können. Wir dürfen nicht hochmütig werden und die klugen Ratschläge aus unserem Umfeld ignorieren. Unsere Eltern können uns aufgrund ihrer Lebenserfahrung hilfreiche Ratschläge geben oder auf zukünftige Probleme hinweisen.
Im Zentrum steht der Glaube
Der Glauben spielt eine zentrale Rolle in der Ehe. Wer heiraten möchte, muss als erstes Allah zufrieden stellen. Das Wohlgefallen Allahs hat Vorrang. Erst danach folgen die Eltern und die Familie. Darum heißt es im Koran: „Mein Gebet und mein Opfer, mein Leben und mein Tod gehören Allah, dem Herrn der Welten.“ Alle Aktivitäten müssen auf Allahs Wohlgefallen zielen. Wenn Allah erstmal mit uns zufrieden ist, wird unser Leben leicht und wir können unsere Ehe genießen. Der Glaube ist die Essenz unseres Lebens. Daher ist es notwendig eine gläubige Partnerin zu wählen.
Einmal kam eine junge muslimische Frau zu einem Gelehrten und sagte: „Ich möchte einen Andersgläubigen heiraten. Er ist wirklich ein sehr guter Mann. Er versteht sich mit allen Menschen und liebt jedes Tier auf dieser Welt.“ Der Gelehrte sagte: „Ich glaube dir und er ist bestimmt der beste Mann in deiner Umgebung, aber wird er dich auch noch lieben, wenn du alt und gebrechlich bist? Wenn deine Schönheit verschwunden ist? Wird er dir treu sein, wenn du abwesend bist? Ich möchte nicht, dass du nach 6 Monaten wieder in mein Büro kommst, um dich scheiden zu lassen. So schaut nämlich die Realität aus. Dein zukünftiger Partner muss sich aufgrund deines Glaubens an dich binden, nicht aufgrund deiner Schönheit. Wenn er erst einmal ein guter praktizierender Muslim wird, der bereit ist Verantwortung zu tragen, wird er dich auch dann noch respektieren, wenn du deine Attraktivität verloren hast. Sein JA-Wort wird dann für alle Zeiten gelten.“
Reif sein heißt: Verantwortung übernehmen
Sucht einen Menschen, der bereit ist Verantwortung zu übernehmen. Es gibt einige Geschwister, die sehr gläubig sind und all ihren Pflichten nachkommen, doch ihre Ehen scheitern, weil sie nicht bereit sind Verantwortung zu übernehmen. Die Heirat ist ein ewiger Bund und besteht nicht nur aus dem „Honig-Monat“. Man muss alles miteinander teilen: das Essen, das Auto, das Wohnzimmer, das Bett, die Interessen und vor allem die geliebte Freizeit. Man muss realisieren, dass eine Ehe nicht nur aus Nehmen und Bekommen besteht, sondern auch aus Geben und Verantwortung tragen.
Attraktivität erwünscht
Bei der Schönheit muss man unterscheiden zwischen dem natürlichen Erscheinungsbild und der allgemeinen Reinheit und Schönheitspflege. Das natürliche Erscheinungsbild verändert sich mit dem Alter und darauf hat man keinen all zu großen Einfluss. Aber Reinheit und gepflegtes Auftreten haben weniger mit dem Alter zu tun, sondern gehören zu den Pflichten eines jeden Muslims. Es ist empfohlen sich für den anderen Ehepartner schön zu machen und seine Schönheit bis ins hohe Alter zu bewahren.
Wenn Ehepartner auf ihre Schönheit und Reinheit nicht achten, dann schwächen sie das Band der Zuneigung zwischen einander. Sie verlieren auch ihr Ansehen innerhalb der Gesellschaft. Den natürlichen Alterungsprozess kann man nicht beeinflussen und dafür muss der Ehepartner auch Verständnis haben. Es geht nicht darum, etwas zu verlangen was der Ehepartner nicht leisten kann.
Es geht vielmehr um die Punkte, die der Mensch beeinflussen kann und die eine Willenssache sind, wie körperliche Fitness, gesunde Ernährung, saubere Kleidung, gepflegtes Auftreten, … Das Missachten der Reinheitsgebote und der Müßiggang bei der Körperpflege gehören zu den Sünden, die die Liebe zerstören können. Deshalb sollte man frühzeitig das Gespräch suchen, damit keine gegenseitigen Abneigungen entstehen und die Liebe nicht unnötigerweise geschwächt wird.
Ein Lächeln für die Ewigkeit
Starke Gefühle bereits vor der Ehe zu empfinden ist nicht verboten. Ob diese emotionale Zuneigung gleichzusetzen ist mit Liebe, muss jeder für sich selber beantworten. Diese Gefühle begleiten einen in der Ehe und schenken Kraft in schwierigen Zeiten. Wenn man beispielsweise in das Lächeln “verliebt” ist, dann erfreut sich das Herz immer, wenn dieser Reiz wahrgenommen wird. Ansonsten entsteht nicht diese starke Bindung, die für ein langes gemeinsames Eheleben notwendig ist.
Wenn man die richtige Person gefunden hat, findet man immer einige Punkte, die sie einzigartig erscheinen lassen und die man an dieser Person liebt. Diese Punkte vermehren sich mit den Ehejahren. Aber einige davon sollten auch gleich am Anfang der Kennenlernphase vorhanden sein, damit diese Person zu etwas Einzigartigen für mich wird und ich für sie etwas ganz besonderes fühle.
Autor: Hessam Kordian












Masallah sehr schön
Lieber Herr Kordian. Den Abschnitt “Im Zentrum steht der Glaube” finde ich sehr unpassend. (…) Viele Christen, Juden, Atheisten und gemischte Ehepaare lieben sich im Alter genauso wie muslimische Ehepaare. (…) Im Grunde sagen Sie, dass die Liebe der Muslime ehrlicher und tiefer ist, und die Liebe der Anderen nur auf Oberflächlichkeiten beruht. Das ist sehr anmassend und herablassend. Auch etwas verlogen, betonen Sie doch weiter Unten, dass mangelnde Attraktivität das “Band der Zuneigung” schwächt. Jeder soll den heiraten den er liebt. Im Zentrum steht die Liebe, denn Gott ist Liebe. Ansonsten steht viel Gutes in Ihrem Text.
@ Lumil
Sie scheinen den Absatz nicht richtig verstanden zu haben. Der beste und geeignetste Mann für eine Muslima ist ein Muslim. Darüber gibt es keinen Zweifel. Mit Muslim ist jedoch nicht irgendein Muslim gemeint, sondern ein gläubiger praktizierender Muslim, der den islamischen Idealen so nah wie möglich kommt.
Wenn man gegen eine einstellung abgeneigt ist sieht man auch die texte mit einem anderen blick…
Ich finde den text zutreffend und sehr schön!