- Autor: Hessam Kordian -
Seit nunmehr über 30 Jahren hält Deutschland einen traurigen Rekord: Die Zahl der Sterbefälle ist höher als die Zahl der Neugeburten. Das heißt im Klartext, dass die Bevölkerung schrumpft. Die Ursache hierfür ist die seit Jahrzehnten sinkende Zahl junger Frauen. Es gibt nicht nur weniger junge Frauen, sondern sie bringen auch weniger Kinder auf die Welt, nämlich durchschnittlich 1,4. Damit die Bevölkerungsentwicklung nicht schrumpft und stabil bleibt, wären durchschnittlich 2,1 Kinder notwendig.
Auf muslimischer Seite sieht die Situation ganz anders aus. Durch frühe Heirat und größerer Wertschätzung einer Familienbildung, bekommen Muslime in Deutschland mehr Kinder als der Durchschnitt der Bevölkerung. Diese positive Entwicklung ist europaweit zu beobachten. Laut Statistiken werden bis 2050 etwa 20% der Bevölkerung Europas Muslime sein, also jeder fünfte EU-Bürger. Europas Gesicht wird sich zunehmend verändern.So weit, so gut. Wir sehen also, dass wir Muslime keine Probleme haben beim Kinderkriegen. Manche von uns sind darin sogar Weltmeister. Sie setzen innerhalb kürzester Zeit drei, vier oder fünf Kinder auf die Welt. Unser Problem ist vielmehr die korrekte Kindererziehung. Wie muss ich mein Kind erziehen, damit es später in der Gesellschaft eine Führungsposition übernimmt oder zu einem Vorbild seiner Mitmenschen wird? Das ist die entscheidende Frage und damit sollten wir uns beschäftigen. Kinderkriegen ist leicht, aber die Erziehung ist schwer. Die Erziehung stellt eine große Prüfung dar. Allah (swt) möchte, dass wir unsere Kinder zu Imamen erziehen. Als Eltern ist dies unsere Aufgabe und diese Aufgabe ist nicht zu unterschätzen.
Ab wann beginnt Erziehung
Die Erziehung beginnt bereits im Mutterbauch. Der Islam sagt, dass eine schwangere Frau den heiligen Koran lesen soll. Warum? Weil das Ungeborene dadurch eine besondere Beziehung zum Koran entwickelt. Oder der Islam sagt, dass dem Neugeborenen der Gebetsruf (athan) ins rechte Ohr und der Gebetsausruf (iqama) ins linke Ohr geflüstert werden soll. Warum? Damit das Neugeborene mit dem Namen Allahs und Seiner Botschaft bekannt wird. Die Kindererziehung beginnt bereits in dieser frühen Phase, nicht erst wenn das Kind auf der Welt ist. Imam Ali sagte auch: „Das Herz eines Säuglings ist wie das Feld (eines Bauern), der jeden Samen annimmt.“
Es kommt öfters vor, dass sich besorgte Eltern direkt oder indirekt an mich wenden, damit ich mit ihren Kindern Kontakt aufnehme. Sie wünschen sich Hilfe bei der Erziehung. Meistens ist es bereits viel zu spät. Die Eltern habe jahrelang die Kindererziehung vernachlässigt. Sie erwarten von ihrem Kind, dass er betet, obwohl sie selber nicht regelmäßig beten. Sie erwarten von ihrem Kind den besten Schulabschluss, wobei sie selber Wissen und Gelehrsamkeit keine Aufmerksamkeit schenken.
Einer der schlimmsten Verhaltenszüge von Eltern ist Heuchelei. Sie wollen, dass ihre Kinder Mustermuslime werden, aber sie selber leben den Islam nicht vor. Sie stellen nur Forderungen. Wer Engel erwartet, muss selber zum Engel werden. Die erste Bezugsperson von Kindern sind die Eltern. Sie sind die ersten Vorbilder. Alles was sie machen, wird imitiert. Sehr selten unterscheiden sich Kinder von ihren Eltern. In den meisten Fällen, sind die Kinder ein Abbild ihrer tagtäglichen Vorbilder.
Vertrauen gewinnen durch richtige Erziehungsmethoden
Es gibt aber auch die andere Gruppe von Eltern. Sie sind wissend, gelehrt und fleißig beim Gottesdienst. Sie kennen die Gebote und Verbote des Islams. Sie sitzen links und rechts neben mir in der Moschee, aber ihre älteren Kinder müssen sie zur Moschee zwingen. Worin liegt ihre Schwäche? Sie haben islamisches Wissen, aber lehren es nicht kindsgerecht weiter. Ihre Erziehungsmethoden sind zum Scheitern verurteilt. Sie zwingen und das Kind rebelliert. Sie erwarten, dass der Gelehrte ihre Kinder durch den wöchentlichen Islamunterricht rechtleitet. Die Kinder sollen durch den Besuch der Moschee zu Engeln werden.
Das ist die Erwartung der Eltern. Sicherlich wird das aktive Gemeindeleben einen positiven Effekt auf die Seele des Kindes haben, aber das kann niemals die familiäre Erziehung ersetzen. Diese Tatsache muss uns bewusst werden. Wer sein Kind vernünftig erzieht, wird sehen können, dass das Kind sich von Haram-Sachen fernhalten wird. Genauso wie bei der Heirat, spielt auch hier die richtige Kommunikation eine sehr wichtige Rolle.
Als Eltern muss man sich darum bemühen, immer der beste Freund seiner Kinder zu sein. Wenn dies nicht gelingt, werden die Kinder außerhalb des Hauses beste Freunde suchen. Und wenn sie fündig geworden sind, bleibt den Eltern nur die Sorge. Sie wissen nicht wer diese Freunde sind und was sie ihren Kindern lehren. Eltern müssen sich darum bemühen eine komfortable Atmosphäre zu schaffen, damit die Kinder mit ihren Sorgen und Nöten zu ihnen kommen. In manchen Familien gibt es bestimmte Tabuthemen. Sowas darf es nicht geben. Ein Kind muss mit seinen muslimischen Eltern über alles sprechen können.
In einer nichtmuslimischen Gesellschaft bedarf ein Kind eines muslimisch geprägten Rückzugsorts, wo es seine Identitätsprobleme bewältigen kann. Wo es seine neuen Eindrücke und fremden Gedanken ausdiskutieren kann. Eltern sollten sich im klarem sein, dass Kinder Geschenke von Allah (swt) sind. Für diese Geschenke müssen sie sich eines Tages verantworten. Und dann werden sie gefragt werden: „Habt ihr Vorbilder oder Kriminelle erzogen?“












Danke vielmals für diesen tollen Artikel!
Salam Aleiküm
deine Eltern haben bei dir gute Arbeit geleitet Mascha Allah.
Weiter so Bruder Hessam.
Sehr Interessanter Artikel.
Habe heute Senf gekauft und wollte etwas abgeben:
Eigentlich sollte sich jeder Selbsterziehen denn dadurch wird das Kind automatisch erzogen.
Denn wenn ich mich zur Geduld erziehe werde ich die Geduld nicht verlieren falls mein Kind mir Sorgen bereitet und Geduld ist sehr wichtig bei der Erziehung von Kindern.
WaSalam
Salam
Super Text, mach weiter so.
ws
Bismillah
Salam,
ich kann mich auch nur meinen Vorrednern anschließen, der Artikel ist sehr lehrreich und einleuchtend.
Danke für deine Mühen.
Wsalam
As-salamu alaikum wr wb
@Hassan
Danke für deinen “Kömmentar”. Da die ersten Vorbilder eines Kindes die Eltern sind, müssen sie die ethischen und moralischen Grundlagen des Islams kennen. Das Kind wird sich in der Anfangszeit nur nach ihnen orientieren.
@Soada
Es freut mich, dass du hier auch mitliest.
Wa alaikum as-salam
Ein interessanter Link zum Thema:
http://www.theaustralian.news.com.au/business/story/0,,26196393-7582,00.html
Schön und gut, dass Muslime mehr Kinder bekommen – integriert werden müssen die aber auch und Integration in Deutschland bedeutet Bildung. Bildung wiederum erfordert Wissen und die die Förderung des logischen Denkens. Hat man dies erreicht, gibt es keinen Platz mehr für Glauben. Das Wissen der Welt ist heute für alle verfügbar und größtenteils frei zugänglich. Schon allein das Studium der großen Wissenportale in den naturwissenschaftlichen bereichen genügt, um zu erkennen, dass es keine Götter geben kann, keinen Platz für (bewiesener Maßen nicht vorhandene) Seelen und ähnliches. Es ist heute kein Geheimnis mehr, dass unsere Welt durch Evolution entstanden ist und keinerlei göttliche Steuerungen dafür notwendig waren. Angenommen, es würde doch einen Gott geben, so kann dies bei genauer Betrachtung all der Kriege, Verbrechen und damit einhergehenden unermeßlichen Verluste an Menschenleben und Werten doch eigentlich kein guter und anbetungswürdiger Gott gewesen sein. Wer aber trotzdem auch heute noch nicht ohne Religion leben will, der sollte dies für sich tun, den Rest der Welt davon verschonen und sich dabei immer wieder die Frage stellen: warum verdammt noch mal sind die Mitglieder der geistigen Elite zu weit über 90% Athisten?
@Harald
Der Islam ist mit den modernen Wissenschaften vereinbar. Es gibt keinen Widerspruch. Auch die Evolutionstheorie ist zu einem Großteil richtig. Zu der Frage der Gerechtigkeit Gottes empfehle ich dir diesen Artikel:
http://www.islam-ist-frieden.de/usuluddin/die-goettliche-gerechtigkeit-teil-1
As-salamu alaikum wr wb
Rechte und Pflichten, Selbstverwirklichung und Gemeinsinn müssen wieder ein ausgewogenes Verhältnis finden. Anders lässt sich kein gesellschaftliches Gemeinglück erlangen, denn die Versorgungspflichten werden aufgrund der demographischen Entwicklung noch weiter steigen. Und eine Gesellschaft, in der sich die einzelnen Mitglieder gegenseitig bekämpfen, ist nicht überlebensfähig und da wären wir wieder beim Thema Tod. Das was Imam Sadiq (ع) im Folgenden sagt, kann man auch auf die Gesellschaft als ein Ganzes beziehen: „Du bist dein eigener Arzt, kennst deinen Schmerz und ebenso deine Heilung. Sieh nunmehr den Grad deiner Bereitschaft, dich für dich zu erheben und dich um dich zu kümmern.“
Wa alaikum as-salam
Es sind hier soviele schöne Artikel zu lesen.
Dieser hier besonders.
Ich bin eine Convertierte Muslima ( vor einem Jahr ) und habe zwei Kinder Mädchen (14) und Sohn (8).
Als ich diesen Beitrag gelesen habe mußte ich weinen der Grund dafür — warum habe ich Allah(t) nicht vorher erkennen können?
Ich hätte sogern dann Quran gelesen in der Schwangerschaft und den Athan ins Ohr gehaucht bei meinen Kindern.
Alles habe ich verpasst.(nun kann ich allerwarscheinlichkeit keine mehr bekommen)
Meine Tochter ist 14 und es ist sehr schwierig mit ihr.Sie ist genauso wie es in einem anderen Artikel beschriebe. Obwohl ich mir Mühe gebe.
Mein Sohn Alhamduillah liebt Allah (t) sehr und lernt fleißig Quran darüber bin ich sehr froh und Dankbar.
Meine Traurigkeit gilt halt das ich erst alles durchgemacht habe und alle Fehler gemacht habe die ein Mensch nur machen kann.
(keine Drogen und Alkohol) und das in ganz jungen Jahren. Ich bin selbst Mutter mit 16 Jahren geworden.
Nun gilt meine Traurigkeit meiner Tochter weil ich Angst um Sie habe das Sie jetzt Allah(t)nicht in ihr Herz läßt und in meine Fußstapfentritt und erst alle fehler macht die ich gamacht habe.
Möge Allah (t) sie davor bewahren**amin**
Salam Alaikom wrwb liebe Deutsche Muslima,
Der Umgang mit Jugendlichen ist recht schwer, dass du in dieser schwierigen Zeit Meinungsverschiedenheiten mit deiner Tochter hast ist ganz normal. Wichtig ist jedoch immer für sie da zu sein und zu versuchen ihr mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Du musst versuchen deinen Glauben auszuleben und so als gutes Beispiel voran zu gehen. Mehr als das und gute Gespräche, die weder provokativ noch vorwurfsvolle Züge haben sollten, kannst du leider nicht machen.
wasalam
Fühl dich Cyber-mäßig in den Arm genommen
Liebe Jasmin assalmu alaikum
Ich danke Dir für deinen Beitrag und ich glaube du hast völlig recht mit dem was Du sagst
Assalmu alaikum
Ich habe nur oft das Gefühl das die Freunde meiner Tochter stärker sind als ich.
Denn es war auch eine Muslima die meine Tochter auf den falsche Weg brachte wo Sie doch erst angefangen hatte zu verstehen.
aber jetzt nach einem halben Jahr ist der Weg der beiden getrennt worden darüber bin ich sehr froh.
Denn ein richtiger Muslim ist für mich immernoch jemand der sich Mühe gibt das richtige zu tun und nicht andere vom Weg abzubringen um verderbliche taten zu begehen.
Ich danke Dir Jasmin für deinen lieben Beitrag laß auch Dich drüpcken von mir
Ist der Islam nicht ein Sammelbecken für geistig Zurückgebliebene?
Wer sonst würde an einen solchen Schrott wie Religion glauben.
@Cartman
Religion muss man richtig verstehen und studieren, erst dann erkennt man die Vorzüge. Aus meiner Sicht ist der Islam modern und friedensfördernd. Für das richtige Verständnis muss man aber auch selber logisch denken können. Ein dummer Mensch kann keine Lehre verstehen und schiebt die Schuld immer auf die Religion. Man muss auch selber offen sein für die Wahrheit. Arroganz und dogmatisches Denken helfen da nicht weiter. Mit einem positiven Fundamentalismus und dem richtigen Verständnis von Koran und Sunna, kann man sehr viele wichtige Lehre aus dem Islam ziehen, die für uns alle wichtig und notwendig sind.
Selam Bruder Hessam
Vielen Dank für den informativen Text.
Ich freue mich darüber, dass du dein Wissen mit Anderen teilst.
Um die Nachschlagbarkeit zu gewährleisten, wären die ungefähren Koran-Quellenangaben zu den Einzelnen Abschnitten bzw. zu den Entscheidenden Sätzen wie z.B. 2. Satz im 3. Abschnitt sehr Hilfsreich.
@ Qasim
Danke für deinen Kommentar. Die Kapitel und Verse sind eigentlich fast immer mit angegeben. Noch genauere Angaben würden von der Norm abweichen und wären ein wenig aufwendiger. Ich muss mit darüber Gedanken machen, ob ich deinen Ratschlag in den nächsten Artikeln umsetzen kann. Möge Allah dich belohnen.
Asallamo alaykum,
Erstmals ganz viel Lob für den Autor dieses Textes möge Allah dich dafür belohnen. Zweitens habe ich eine frage: ich bin seit 6 Monaten alhamdolilah in Besitz von ein Geschenk von Allah und sie ist maschalah soo süß das ich alles um mich herum vergesse wen ich sie in armen halte. Umsomehr mach ich mir Gedanke das ich sie durch soo viel liebe nicht mehr erziehen kann, weil sie mich nicht ernst nehmen könnte.