B i s m i l l a h
Sehr geehrte Besucher & liebe Geschwister im Islam, der Friede Gottes sei mit euch. Ich bin Hessam und IiF ist mein experimenteller Islamblog. Nach langjähriger Gemeindearbeit und Organisator diverser Veranstaltungen, beschloss ich dieses virtuelle Tagebuch ins Leben zu rufen. Der Inhalt setzt sich zusammen aus persönlichen Eindrücken, Gedanken und Erfahrungen aus dem Alltag und dem aktuellem Weltgeschehen aus muslimischer Sicht. Die Blogbeiträge sollen inschaallah und idealerweise aufklären, zum Nachdenken anregen und vor allem den kritischen Blick schärfen.

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Politik & Gesellschaft

Aufstieg durch Bildung oder wachsende Ausgrenzung?

Wenn man aus einfachen Verhältnissen stammt und viel Kontakt pflegt mit einfachen Menschen, denkt man, dass Rassismus nur bei ungebildeten Menschen existiert. Aber wirft man einen Blick in die Lebenswirklichkeiten der „Mittelschicht“, wird man eines besseren belehrt. Die hochgelobte, produktive, reiche, schöne und gebildete Mittel- und Oberschicht hat in der Realität nicht weniger, sondern mehr Vorurteile gegen den Islam und die Muslime.

Manchen dieser Herren und Damen kann man es nie recht machen. Sie haben immer etwas auszusetzen:

  • Ist man unfreiwillig arbeitslos, lautet ihr Vorwurf: „Muslime sind Sozialschmarotzer. Sie sollten endlich arbeiten gehen.“
  • Arbeitet man hart, lautet ihr Vorwurf: „Muslime errichten die Infrastruktur für die muslimische Parallelgesellschaft.“
  • Besucht man die Hinterhofmoschee, lautet ihr Vorwurf: „Muslime integrieren sich nicht.“
  • Besucht man die Moschee im Stadtzentrum, lautet ihr Vorwurf: „Muslime islamisieren Deutschland.“

Diese widersprüchlichen Meinungen irritieren und erschweren die Integrationsbemühungen vieler Migranten. Man fragt sich:

Werde ich hier eigentlich noch akzeptiert?

Ist Deutschland noch meine Heimat?

Soll ich mich einmischen oder lieber raushalten?

Raushalten führt zur Isolation und Mitmischen führt nicht selten zu verbalen Angriffen. Man sitzt zwischen zwei Stühlen und sucht nach einem (Aus-)Weg. Die rassistischen Untertöne der politischen Diskussionen werden von muslimischen Akademikern sehr wohl wahrgenommen. Ihr gesellschaftliches Engagement wird immer wieder in Frage gestellt. Auch ihre Loyalität zur Verfassung wird stark bezweifelt. Als Migrant hat man den Eindruck, man wäre Bürger zweiter Klasse oder geduldeter Gastarbeiter, der irgendwann rausgeekelt wird.

Gleiche Bildung, aber ungleiche Chancen

In wissenschaftlichen Studien wurde belegt, dass ein türkischer oder arabischer Name ein großes Hindernis bei der Bewerbung darstellt. Muslimische Akademiker haben nicht die gleichen Arbeitschancen in Deutschland. Auf dem Arbeitsmarkt wird knallhart selektiert, aber nicht nach Qualifikation, sondern nach Aussehen, Herkunft oder Religion. Woran liegt das? Ein Grund hierfür sind sicherlich die Vorurteile der Chefs und Zuständigen in den Unternehmen. Viele Mittelständler sehen ihren ungezügelten Lebensstil gefährdet. Sie wehren sich gegen die wachsende Vielfalt mit unhaltbaren Ablehnungsbescheiden. Sie haben auch keine Probleme ihre rassistischen Gedanken offen auszusprechen. Ganz im Gegenteil: Sie fühlen sich sehr sicher. Diese Sicherheit beruht auf der Kultur des Wegschauens und der Ignoranz. Einem Großteil der Gesellschaft fehlt das Wissen über Rassismus.

In Deutschland gibt es einen etablierten Rassismus, der nicht ernst genommen wird. Die soziale Stimmung gegen Muslime hat seit dem 11. September zugenommen und dieser Trend verschärft sich weiter. Muslime erfahren Benachteiligungen im Bildungssystem, auf dem Arbeitsmarkt, bei der Wohnungssuche, bei Behörden und im Alltag. Böse Blicke und dumme Sprüche haben stark zugenommen. Die wachsende Islamophobie wird aber weiterhin tabuisiert. Hierdurch sinkt natürlich das Vertrauen der Muslime in die staatlichen Institutionen und die Extremisten bekommen mehr Zulauf. Durch Antidiskriminierungskampagnen könnte wieder mehr Chancengleichheit geschaffen werden, denn Vielfalt muss auch gelebt werden können.

Autor: Hessam Kordian

14 Kommentare zu Aufstieg durch Bildung oder wachsende Ausgrenzung?

  • Salam aleykum, der Hass gegen Muslime und Islam hat zugenommen. Das sieht jeder auf der Straße. Man wird nur noch angegafft. Das kann nicht geleugnet werden, ausser von Politikern und Journalisten. Aber die leben auf einem anderen Planeten. Die haben keine Ahnung über das wirkliche Leben. Es fehlt bei vielen am Bewusstsein für diese Themen. Als Rassismus wird nur Antisemitismus gegen Juden oder Fremdenfeindlichkeit gegen Schwarze verstanden. Alle anderen Opfer werden nicht ernst genommen. Die Meisten glauben sie wären frei von Rassismus, aber in Wahrheit sind sie es nicht. Ich wurde selber attackiert und diese Diskriminierungsstellen konnten nichts für mich tun. Die konnten mein Fall nicht einordnen. Muslime können in Deutschland keine Opfer sein. Sie sind immer nur Täter. So schaut es aus.

    wa selam :shock:

    Beitrag editiert

  • As-salamu alaikum wr wb

    :arrow: @tayfun22

    Die Werte und Normen der reichen Kapitalistenkaste wandern nach unten zu uns. Ihre Politik beeinflusst unseren Alltag. Der Arbeitsmarkt ist plötzlich eine Kampfarena. Mitgefühl, Nächstenliebe und Gemeinsinn werden als Schwäche ausgelegt. Die Menschen der Ellbogengesellschaft entsolidarisieren sich voneinander, aber die da oben, die die Macht haben etwas zu verändern, schauen weg.

    Wir Muslime können einen großen Beitrag dazu leisten, dass die deutsche Gesellschaft nicht abdriftet in den kapitalistischen Sumpf, wo der Werteverfall das friedliche Miteinander bedroht. Im Islam wird nämlich sowohl das Wohl des Einzelnen, als auch das Wohl der Gemeinschaft betont. Darum sind Solidarität, Barmherzigkeit und gerechtes Handeln verpflichtend. Letztlich wird dadurch das Fundament geschaffen für die positive Entwicklung des Einzelnen und der Gemeinschaft insgesamt.

    Wir müssen mehr Gottesfurcht und Selbstlosigkeit lehren, damit die Selbstverwirklichung nicht auf Kosten anderer Menschen geschieht. Dabei nutzen viele öffentliche Persönlichkeiten ihren Einfluss, um eine Lanze für die eigene Interessegruppe zu brechen und im gnadenlosen Konkurrenzkampf die besseren Karten zu haben. Man denke nur an die rassistischen Äußerungen von Herrn Sarrazin.

    Wa alaikum as-salam

  • Die Problemen kennen wir und ist uns auch klar keine
    Funktionäre sei breit diese zu beseitigen.
    Als ich ein Kind war wüsste ich Die Problemen von Palästinenser sind lösbar,als Kind könnte ich nicht verstehen,warum die Problemen dort immer skaliert werden – warum könnten
    die Länder und Politikern nicht die Zufriedenheit
    eine kleine Bevölkerung herstellen.
    Heute als erwachsene fühle ich mich wie ein heimatloser in
    eigene wände isoliert,es macht kein Spaß mehr in den
    Gesellschaft teil zu nehmen – auf fernsehen habe ich ab 1 April bis heute verzichtet,da ohne hin habe ich nur nachrichten geschaut die überhaupt nicht mehr glaubwürdig sind na ja Politische Debatte habe ich auch geschaut die sind immer wider das selbe”sinnlos wirkungslos”.

    was ist zu tun?was sollen wie unternehmen?
    so kann man doch Nichtleben.
    sollen wir tatsächlich ein Nebengesellschaft ausbauen?
    in dem wir unser eigene Arbeitsamt – Krankenkasse – Bank -
    Versicherungen – Großhandel – groß Supermärkte – eigener Konsulat bei andere Länder eigentlich eigene Regierung auf dam selbem Land (so wie harzt Regierung
    “als negativ Beispiel” aber genau in Gegenteil)
    ,gerecht und voller liebe und frieden.
    ich bin bereit mich teil und Vollzeit daran arbeiten/einsetzen, sagt mir einfach was soll ich bzw., wir machen müssen.

  • Du hast da einen wahren Brennpunkt angesprochen. Die ungleichbehandlung Unsereiner ist unverkennbar. Es beginnt schon in der Schule. Dass Mädchen im allgemeinen Jungen im Klassenunterricht vorgezogen werden ist bewiesen und bekannte Ursache der ganzen Emo-Bewegung. Die Benachteiligung einer Gruppe dieser Benachteiligten ist daher umso schlimmer und hat zur Folge dass diese Gruppe (die Rede ist von ausländischen Jungen) sich immer weiter von der Gesellschaft wegbewegen und durch das Gefühl der Ausgrenzung und Benachteiligung getrieben werden in ihrer eigenen Welt in der man sie mit Respekt behandelt werden zu leben. Doch dies war nicht immer so.

    Diese jungen Menschen werden in keine isolierte Welt hinen geboren, diese Menschen werden erst durch viele Umstände dazu gebracht.
    Früher war es so gewollt. Man wollte nicht dass Ali oder Erdem mit Johannes oder Danny spielen. Ali und Erdem sollten mit sich selbst spielen. Jahrzehnte wurde dies gewollt und unterstützt. Nun auf einmal da es viele Alis und Erdems gibt, wird der Spieß umgedreht. Nun heißt es nicht mehr wir wollten nicht dass Ali und seine Freunde mit Danny spielen, sondern es heißt Ali will nicht mit unseren Kindern spielen, er isoliert sich und ist wohl lieber unter seines gleichen.

    Jetzt wird verschwiegen dass Ali Jahre lang ungleichbehandelt wurde, Ali wurde schlechter benotet und Alis Mutter die ein Kopftuch trägt wurde schon immer von den anderen Mitschülern ausgelacht. Es heißt nur: Ali soll sich integrieren, er soll so sein wie wir. Wieso ist Ali lieber mit Erdem unterwegs? Ali zeigt keine Mühe sich der Klassengruppe einzuordnen!

    Es ist einfach so, wenn man nur die Wirkung der jahrelangen Ursachen sieht und diese versucht schön zu reden oder gar wegzudenken.

  • Kay Sokolowsky: Es ist seit vielen Jahren deutsche Tradition, Rassismus zu verharmlosen, kleinzureden und ins Vermischte zu verbannen. Der Fall der armen Frau El-Sherbini hat das wieder vorgeführt: Die Bundeskanzlerin hatte anfangs nicht mal ein Wort des Mitleids für die Familie übrig. Und der damalige Innenminister Schäuble, der sonst hinter jeder Facebook-Seite eine islamistische Terrorzelle vermutete, bekam den Mund nicht auf, um diesen eindeutig terroristischen Akt zu verurteilen. Stattdessen fürchtete man sich allenthalben vor den Reaktionen der bekanntlich völlig unberechenbaren Muslime. Das Dresdener Gericht, in das Alex W. am Tag der Tat problemlos ein 18 Zentimeter langes Messer einschmuggeln konnte, ist heute ein Hochsicherheitstrakt, inklusive Scharfschützen – aus lauter Angst vor muslimischer Vergeltung. Auf Nachfrage musste das LKA Sachsen übrigens einräumen, es gebe für die Scharfschützen auf dem Dach keinen konkreten Anlass.

    Dahinter steckt dasselbe paranoide Denken, das einen Gerichtspolizisten bewegte, auf den blutenden, am Boden liegenden Mann von Marwa El-Sherbini zu schießen statt auf den Täter Alex W. Der Muslim an sich, der Fremde aus dem Orient ist eine Gefahr: So denken sehr viel Deutsche, und so denken die Sicherheitsbehörden – nicht nur die in Sachsen. Zu Prozessbeginn war es vielen Berichterstattern wichtiger, über eine höchstwahrscheinlich gefakete Morddrohung “aus islamistischen Kreisen” gegen Alex W. zu berichten, als sich endlich einmal mit der ausgeprägten Muslimfeindschaft zu befassen, die in Deutschland herrscht. Zum Glück nicht allen Berichterstattern. Doch bestürzend vielen.

    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31419/1.html

  • Wenn ich den Namen Marwa El-Sherbini höre dann möchte ich nur losheulen. Dieser doch so traurige Fall wird leider zu sehr bagatellisiert. Man versucht ihm in den Medien so wenig Aufmerksamkeit zu schenken wie es nur geht. Man möchte neben der Angst vor Terror-Attacken wegen dem Afghanistaneinsatz der Bundeswehr nicht noch einen Grund für solche Ängste haben.

    Es ist doch lächerlich wenn man sich anschaut wie oft in den Medien von Marco W. die Rede war, der eine 13 jährige zu unvernehmlichem Sex gezwungen hat. Damals stellte sogar die Bundeskanzlerin Hilfe für den ach so armen jungen Deutschen der sich in türkischer Haft befand. Alle Herzen in Deutschland waren gefüllt mit Mitleid für den ihrer Meinung zu Unrecht inhaftierten Jungen. Man möge gar nicht erst daran denken was für Sprüche gekommen wären, wenn die 13 jährige keine Engländerin sondern eine Türkin gewesen wäre!

    Ich hoffe die vielen Politiker, die zu dem tragischen Fall von Marwa El-Sherbini geschwiegen haben, werden ihrer trauernden Familie noch geeignete Worte des Mitgefühls ausdrücken.

  • Viele Deutsch-Türken fühlen sich unerwünscht. Fast jeder zweite der Deutsch-Türken und türkischstämmigen Migranten träumt von einem Leben in der Türkei.

    http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2009-11/deutsch-tuerken-studie

  • Göttingen: Muslimfeindlicher Angriff auf Studentin

    Braunschweig/Göttingen. Wie erst jetzt bekannt wurde ist am Rande einer Demonstration von rund 1400 Mitgliedern der linken Autonomenszene am 14. November in Göttingen eine 24 Jahre alte muslimische Braunschweigerin (kopftuchtragend) von Neonazis angegriffen worden.

    http://islam.de/14855.php

  • Kein Strafverfahren gegen Sarrazin

    Am Freitag stellte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin ein. Seine beleidigenden Äußerungen, die für heftige Kritik sorgten, bleiben damit ohne rechtliche Konsequenzen.

    http://www.igmg.de/nachrichten/artikel/2009/11/23/kein-strafverfahren-gegen-sarrazin.html

  • Das Leben der Anderen

    Ob mit oder ohne Kopftuch – wir sind stolz darauf, neue Deutsche zu sein. Die Fakten zeigen: Es gibt keinen Grund für Islamphobie

    http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/1214/feuilleton/0002/index.html

  • Man kann nur auf eigene Leistung Stolz sein, Nationalität ist kein Eigenleistung(EX Präsident Johannes Rau).

    Man dürfte höchstens froh sein in Deutschland zu leben aber mehr nicht. Die Freude ist mir allerdings schon längst vergangen.

  • salam alaikum

    Natürlich ist Bildung für uns wichtig, aber nicht zu allererst, um “aufzusteigen”, sondern primär, weil es uns der Quran befiehlt. Der erste offenbarte Vers war “Lies”, und das ist nun mal etwas, was wir Muslime viel zu wenig tun. Wären wir gebildeter, stünde der Islam in Europa (und auch anderswo) ganz anders da.
    Ich habe auch das Gefühl, dass Muslime in Deutschland weniger “gestört” haben, als sie noch die Dreckarbeit erledigten, die die Deutschen nicht tun wollten, und in Zeiten steigender Arbeitslosigkeit und Ein-Euro- Jobs sind sie nicht mehr gefragt. Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, er kann gehen.
    Jetzt kommt aber noch dazu, dass immer mehr Muslime dank besserer Bildung in gehobene Berufe drängen, was bei vielen Deutschen wohl Neid und auch Verdrängungsängste auslöst. Wir sollen eben “unten” bleiben! Das Kopftuch der Putzfrau hat niemanden gestört, aber bei einer Akademikerin ist es plötzlich ein “politisches Symbol”.

    noch gesegnete Moharram-Tage
    ws

  • Sehr interessanter Artikel und tolle Kommentare.

  • s.a liebe Geschwister im Islam.
    Ich unterstütze schwester Fatma sehr, weil unser einziger Problem, das NICHT WISSEN ist. Unsere Brüder und Schwestern sollen endlich aus dem Schlummer erwachen und die wahre Identität des Islams praktizieren.

    w.s und gesegneter Moharram.
    Allah möge uns allen helfen. Amin.

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