Aygül Özkan – Eine laizistische Muslima konvertiert zur CDU

Aygül Özkan, der Name dürfte inzwischen vielen ein Begriff sein. Am 19. April wurde bekannt, dass sie niedersächsische Ministerin für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration werden solle. Es folgte ein Aufschrei durch die Presse: „Erste muslimische Ministerin“ (…).

Die Rede war sogar von einer „gläubigen schiitischen Muslimin“, die sagte, dass sie gerade wegen des „C“ in die CDU eingetreten sei. Welch ein Triumph und welch ein mutiger Schritt des niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff, dachten sich wohl einige.

Es irritierte mich, dass man sie als „gläubige Schiitin“ bezeichnete. Und vor allem titulierten die meisten Zeitungen sie nicht wie üblich mit „türkischstämmig“, sondern mit „muslimisch“. Müsste es nicht normalerweise heißen „türkischstämmige Ministerin“ oder „deutsch-türkische Ministerin“. Wollte man bei Frau Özkan eine Ausnahme machen?

Ich begann noch am selben Tag über sie zu recherchieren. Frau Aygül Özkan war eine 38-jährige Juristin, die ihren Schwerpunkt in Europa und Wirtschaftrecht hatte. Sie arbeitete in der Wirtschaft und trat 2004 in die CDU ein. 2008 wurde sie Bürgschaftsabgeordnete in Hamburg und ebenfalls Fachsprecherin für Wirtschaft und Industrie ihrer Fraktion. Nur zwei Jahre später steigt sie zur Ministerin auf.

Die erste Frage, die sich mir stellte war: „Welchen Bezug hat Frau Özkan zum Ministerium für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration?“ Die Antwort: „Keinen. Sie arbeitete früher in der Wirtschaft!“ Meine zweite Frage lautete: „Welchen Bezug hat sie zum Land Niedersachsen?“ Die Antwort war: „Keinen. Sie kam aus Hamburg!“ „Wurde sie etwa zur Ministerin ernannt, um für gute Presse zu sorgen? Um das Image der CDU bei Ausländern und vor allem bei den Türken aufzupolieren? Eine CDU-Quotentürkin für Niedersachsen?“ Fragen über Fragen.

„Ist sie überhaupt schiitische Türkin?“ „Ja!“ Frau Aygül Özkan stammt aus einem kleinen Ort in der Türkei namens Igdir, in der viele Menschen der Volksgruppe Azeri leben und schiitischen Glaubens sind. „Ist sie auch gläubig?“ „Jein.“ Die Medien feierten sie anfangs noch als  gläubige Muslimin, aber nach der Debatte um religiöse Symbole an Schulen, hieß es plötzlich, sie sei gar nicht gläubig und den Islam würde sie auch nicht praktizieren.

In einem Interview sagte sie dann, dass sie gegen religiöse Symbole an Schulen sei. Damit meinte sie natürlich in erster Linie das Kopftuch, doch auf die Nachfrage ob sie damit auch Kreuze meine, antwortete sie mit ja. Das löste eine bundesweite Debatte aus. Wie konnte eine CDU-Ministerin nur allen ernstes behaupten, dass sie gegen Kreuze an Schulen sei, obwohl sie ja gerade wegen des „C“ in die CDU eingetreten sei?

Ministerpräsident Wulff distanzierte sich von den Äußerungen Özkans. Es dauerte nicht lange und Frau Özkan nahm ihre Äußerungen zurück. Sie sagte, dass sie „in Unkenntnis der in Niedersachsen gelebten Praxis“ sich geäußert habe. Sie entschuldige sich vor der CDU-Landtagsfraktion und meinte nun, dass christliche Symbole, insbesondere Kreuze in den Schulen erwünscht seien. Ein Sinneswandel über Nacht oder erfolgreiche CDU-Integrationsarbeit?

Was war geschehen? Wahrscheinlich hatte man ihr die Grenzen der CDU gezeigt nach dem Motto: „Entweder du sagst das, was wir denken oder du kannst in deine Heimat Hamburg zurückgehen.“ Andersrum kann ich mir den Sinneswandel von Frau Özkan innerhalb eines Tages nicht erklären. Man hatte Frau Özkan über Nacht in die CDU integriert. Die Liebe zum Ministeramt zwang sie, sich ihrer Partei zu unterwerfen.

Welch eine Muslimin könnte Frau Özkan sein, die gerne das Kopftuch von muslimischen Schülerinnen abnehmen würde in der Schule? Welch ein Vorbild ist diese Frau für „die Muslime Deutschlands“, wie sie bejubelt wurde, wenn sie jungen Mädchen in den Schulen das Kopftuch untersagen möchte? Welch eine Auffassung von Grundrechten hat die Juristin Frau Özkan, die Schülerinnen in der Schule ihr Menschenrecht auf freie Religionsausübung verwehren möchte? Wir müssen Ministerpräsident Christian Wulff dankbar sein, dass er seine muslimische Ministerin nochmals auf ihre Integrationsdefizite aufmerksam gemacht hat. Ansonsten hätte Frau Özkan wohl noch für das Minarettverbot plädiert.

Am 27. April wurde sie schließlich im Landtag vereidigt. Und wieder geschah etwas Unvorhersehbares, denn sie hatte bei ihrer Vereidigung die religiöse Formel benutzt “so wahr mir Gott helfe.“ Wieder diskutierte und schrieb man darüber, was sie denn genau damit meinen könnte. Welch ein Glück dachte ich schmunzelnd, dass sie nicht „so wahr mir Allah helfe“ gesagt hatte.

Einige Wochen sind es her und man hat von der „Turbo-Ministerin“, wie sie einst gefeiert wurde, nichts mehr gehört. Jetzt sorgt sie mit einem anderen Thema für Schlagzeilen. Sie soll während ihrer Tätigkeit bei TNT Verträge mit sittenwidrigen Löhnen geschlossen haben. Und hierzu möchte der TNT-Betriebsrat sie verklagen. Was die Ministerin mit der „Turbokarriere“ noch machen wird, bleibt abzuwarten. Aber all zuviel darf man wohl nicht erwarten.

Ein Gastbeitrag von Ali Y.



This entry was posted in Politik & Gesellschaft and tagged , , , , , . Bookmark the permalink.
  • Ridvan 16. Mai 2010 at 19:11

    Salam Aleykom,

    Mash’allah ein sehr schönder Gastbeitrag des Bruders.

    Frau Özkan ist nur ein Mittel zum Zweck. Sie soll für uns Shiiten eine Vorbildsfunktion (Wali) wiederspiegeln, genau wie Sie es gerne hätten, fern von unserem Glauben und System!

    wassalam aleykom

  • Ali al Murtadha 16. Mai 2010 at 20:39

    Im Namen Allahs,

    Mashallah ein sehr informative und rückschlüssiger Text lieber Br.Ali. Also ich werde noch ein Video erstellen inschallah und mich öffentlich als Schiit von “dieser schiitin” distanzieren,damit die Feinde der Shia jetzt nicht mit “Die Rafifha wollen das Kopftuch verbieten” kommen^^.

    Spaß beiseite.Aber ich glaube es wäre angebracht vor dieser Frau zu “warnen” und der CDU mal ein Strich durch die Rechnung zu ziehen.

    Meine Frage wäre jetzt: ‘Darf ich diesen Text für ein Aufklärungsvideo nutzen ?’

    Natürlich mit Verweis auf die Seite

    Möge Allah euch reichlich belohnen.

  • Br. Hassan 17. Mai 2010 at 10:19

    Salam,

    schöner Artikel, Mascha Allah!

    Ein Kampf gegen das Christentum wurde eingeläutert. Die katolische Kirche wird wegen den Missbräuchen angegriffen. Die evangelische Kirche wegen der Alkohol-am-Steuer-Affäre ihrer Ratsvorsitzenden Margot Käßmann.

    Es ist nun mal so das die Kirche für die säkularen Kreise zuviel Einfluss hat. Die Kirche ist der zweit größte Arbeitgeber in Deutschland und deswegen muss der Kirche ein Schluss in die Rechnung gezogen werden.

    Die Säkularen fragen sich: “Wer soll den Kampf führen? Die Säkularen? Ist doch zu gefährlich! Lasst mal die Muslime an die Front.”

    Denn sollte der Kampf gegen die Kirche zu verlustreich sein oder die christliche Bevölkerung aufmucken, so sind die Muslime schuld.

    WaSalam

  • Pajam 17. Mai 2010 at 17:05

    Salam,
    Wow ein sehr guter Artikel!Gefällt mir sehr.
    ws

  • Hessam 18. Mai 2010 at 13:56

    As-salamu alaikum wr wb,

    @Ridvan

    Eine sehr gute Beobachtung. Aus dem Text wird deutlich, dass Frau Özkan für ihr Amt nicht qualifiziert ist. Sie erhält den Ministerposten vielmehr aufgrund ihrer Herkunft. Die CDU möchte damit neue Wählerkreise erreichen.

    @Ali al Murthadha

    Von meiner Seite hast du die Erlaubnis, aber du solltest noch die Antwort von Bruder Ali abwarten. Er wird sich inschaallah bald melden.

    @ Br. Hassan

    Das kann durchaus möglich sein. Der Westen setzt diese Ablenkungstaktik sehr gerne ein, um die einfachen Menschen mit sich selber zu beschäftigen. Wenn die Unterdrückten sich miteinander streiten, können die Unterdrücker in Ruhe weiter ausbeuten.

  • Ali Y. 19. Mai 2010 at 12:04

    Salamu Alaikum,
    @Ridvan
    Deine Betrachtungsweise ist ganz gut. Wie ich in dem Text auch einige Fragen aufgeworfen und beantwortet habe, erkennt man, dass sie für das Amt nicht unbedingt die Qualifikation mitbringt. Wobei man auch gerechterweise sagen kann, dass wohl nur die wenigsten Politiker nach ihrer Qualifikation ausgewählt werden. Vielmehr dürften andere Gründe eine Rolle spielen. Verwunderlich war auch, dass nach der Ernennung von Frau Özkan schwachsinnige Umfragen gemacht wurde wie etwa: “Sollten bei der Auswahl auf die Qualifikation oder auf die Herkunft geachtet werden?”
    Gefährlich ist es vor allem, wenn Muslime oder Türken selbst eine solche Frau als Vorbild präsentieren. Dass andere es tun, dass dürfte nicht das Schlimmste sein.

    @Ali al Murthada
    Hab dank für dein Lob.
    Ich hätte natürlich kein Problem, wenn du diesen Text, wie auch andere Quellen für deine Aufklärungsvideo benutzt.
    Aus deiner Wortwahl “Die Rafifha wollen das Kopftuch verbieten”, oder “die Feinde der Shia” erkenne ich jedoch, dass deine Videos eher sich gegen oder für Wahhabiten gedacht sind. In Anbetracht der Tatsachen, kann ich dir empfehlen, dass wenn du ein Video machst oder was schreibst, es niemals in Feindschaft oder in Gegnerschaft zu etwas zu tun, sondern aus dem Zwecke deine Meinung zu zeigen. Merke dir, wir sind für etwas immer und nicht gegen etwas. Wir sollten Aktionäre sein und nicht Reaktionäre. Den Artikel kannst du gern verwenden, aber unter Bedingung, dass dein Video für alle Interessierten gedacht sein soll und nicht gegen Leute, die Schiiten als “Rafidha” bezeichnen. Natürlich hast du das sicherlich als Spaß gemeint, wie du geschrieben hast. Nur wollte ich auch zu dem Thema ein Wort verlieren :-)
    Du darfst den Artikel verwenden natürlich.

    @ Br. Hassan
    Für mich persönlich erachte ich es hilfreich, mich von jeglichen Spekulationen fernzuhalten. Ich weiß nicht, ob ein Kampf gegen die Kirche tobt. Was mir auffällt, ist, dass man versucht zu einem Kampf gegen Muslime anzustiften und dies ist sehr gefährlich. Der Missbrauch in der katholischen Kirche ist nicht schön zu reden und eine große Blamage der katholischen Kirche.
    Ein Kampf hat immer mehrere Taktiken, die sich jederzeit ändern passend zur Lage und auch viele Schauplätze und Fronten.
    Ich mag es nicht wirklich mit diesen Begriffen zu spielen, jedoch ist es manchmal unausweichlich solche Termini zu verwenden.

  • Fatima 24. Mai 2010 at 17:16

    Salam alaikum

    @Ali Y.: Es wurde ein Kampf gegen Religion im allgemeinen eingeläutet, das ist nicht zu übersehen, egal ob gegen Islam oder Christen, vor allem Katholiken, die dohc noch weitaus wertebewusster sind als Protestanten. Sicher sind die Missbrauchsfälle schlimm, aber es ist idiotisch, wenn man so tut, als gäbe es die nur in der kath. Kirche. Nebenbei haben sich die Missbrauchsvorwürfe gegen Bischof Mixa, der von säkularen Kräften schon oft wegen seiner konservativen Haltung angegriffen wurde, als haltlos erwiesen.
    Zum Thema an sich: Es ist augenfällig, dass in letzter Zeit uns vermehrt Vorbilder mit muslimischem Hintergrund als Beispiele für gelungene Integration präsentiert werden:

    http://www.muslim-markt.de/forum/messages/1794.htm

    Nun ist Frau Özkan zwar nicht aus dem seichten Showbusiness, aber das macht ihre Äußerungen nicht weniger problematisch, auch wenn die von den Medien sehr einseitig wiedergegeben wurden.

    Ich halte das Ganze für ein abgekartetes Spiel zwischen ihr und Wulff, der sich pro forma “distanzierte”. Der ist doch nicht dumm und weiß, dass das zukünftige “Stimmvieh” muslimischen Hintergrund haben wird und will mit Leuten wie Frau Özkan “fischen”, denn die CDU hat in diesem Punkt gegenüber den Linken und der SPD gewaltigen Nachholfbedarf, da sie nie besonders migrantenfreundlich war. Dieses ganze Theater mit den Kruzifixen diente meiner Meinung nach dazu, die bis dato weitgehend unbekannte Frau Özkan in die Medien zu bringen. Mal ehrlich, wer kennt denn die anderen drei neu ernannten niedersächsischen Minister?

    wa salam

  • Davud 24. August 2010 at 22:08

    Warum kommen nur soviele Gottlose Menschen aus meiner Heimatstadt in der Türkei!?
    Das alles macht mich sehr traurig!

  • SCHREIBE EINEN KOMMENTAR