Der Ramadan steht vor der Tür und alle Geschwister im Islam warten inschaallah sehnsüchtig auf den Beginn dieses heiligen Monats. Die Propheten und Imame haben uns im Fastenmonat das Lesen des heiligen Qurans sehr empfohlen. Prophet Muhammad (saw) sagte sinngemäß: „Der Quran ist die Universität Allahs. Lerne so viel du kannst in dieser Universität.“ Was bedeutet diese Aussage? Diese Aussage macht deutlich, dass der heilige Quran ein Schatz der Weisheit ist. Um von diesem Schatz zu profitieren müssen wir nicht nur den Quran lesen, sondern ihn tiefgründig studieren. Zu diesem Zweck wurde diese Artikelreihe verfasst. Die Fragen in dieser Artikelreihe sind absichtlich fett markiert. Sie sollen den Leser anregen eine kurze Denkpause einzulegen und zu versuchen sich gedanklich selber die Fragen zu beantworten. Sollte dies nicht gelingen, kann man weiter lesen. Die Kurzantworten stehen direkt im Anschluss.
Bevor wir zur Geschichte von Prophet Moses (as) und den Bani Israil kommen, müssen wir uns kurz mit einigen allgemeinen Informationen über die Sura al-Qasas beschäftigen. Dieses Kapitel des heiligen Quran heißt übersetzt „Die Geschichten“. Die Sura al-Qasas ist die 28. Sura im heiligen Quran. Sie enthält 88 Verse oder Offenbarungszeichen (ayat). Mit Ausnahme von ein oder zwei Versen, wurden alle anderen Verse in Mekka offenbart. Sura al-Qasas gehört somit zu den mekkanischen Kapiteln.
Was ist charakteristisch für die mekkanischen Suren? Sie sind kürzer, handeln vermehrt über das Jenseits, die Einheit Gottes (tauhid) und Eigenschaften des Schöpfers.
Was ist charakteristisch für die medinischen Suren? Nach der Auswanderung (hidschra) von Mekka nach Medina, musste der Prophet (saw) die islamische Gemeinschaft (umma) und den islamischen Staat organisieren. Aus diesem Grund handeln die medinischen Suren zumeist über Detailfragen des islamischen Rechts (scharia) und Jurisprudenz (fiqh). Die Verse aus dieser Zeit verdeutlichen den Gesetzescharakter des Qurans.
Warum beginnt die islamische Zeitrechnung mit der Auswanderung? Die islamische Zeitrechnung beginnt mit dem ersten Tag der Auswanderung nach Medina, weil sie symbolisch den Neuanfang der Muslime weit weg von der Heimat darstellt. In Medina entstand die erste mehrheitlich muslimische Gesellschaft.
Allah (swt) erzählt uns in der Sura al-Qasas die Geschichte der Banu Israil. Eine Geschichte die über 3500 Jahre alt ist.
Welchen Nutzen hat diese Geschichte für uns heute? Warum erzählt uns Allah (swt) diese und anderen Geschichten? Allah (swt) berichtet in der Sura al-Qasas über das Schicksal der Banu Israil, damit wir Muslime davon lernen. Die Banu Israil lebten damals in der Diaspora und wurden von einem blutrünstigen Tyrannen unterdrückt. Ihr Leben war schrecklich, aber Allah (swt) wollte, dass sie erfolgreich werden und so unterstütze Er sie, bis sie den Tyrannen überwanden. Die Situation in der sich die muslimische Gemeinschaft heute weltweit befindet, ähnelt dieser quranischen Geschichte. In Afghanistan, Irak, Palästina, … leiden die Muslime allesamt unter Unterdrückung und Terror.
Warum leiden die Muslime weltweit? Warum tut Allah (swt) nichts dagegen? Allah (swt) hat uns Muslimen mit dem Islam den Weg aufgezeigt zu unserer Befreiung. Wenn wir diesen Weg gehen, werden wir erfolgreich sein. Wenn wir jedoch dem Islam den Rücken kehren, werden wir keinen Ausweg finden. Es liegt also an uns. Wir können durch unsere Taten die Situationen verändern. Alle Menschen können ihren Traum von Glückseligkeit erfüllen. Allah (swt) hat uns die Eigenschaften dafür mit auf den Weg gegeben.
Warum wurde die Sura al-Qasas mit der Geschichte der Bani Israil und Prophet Moses (as) ausgerechnet den Muslimen in Medina offenbart? Die Sura al-Qasas wurde den Muslimen in Medina offenbart, weil sie dieselben Erfahrungen wie die Bani Israil machten. Sie litten unter Unterdrückung und Verfolgung durch die Quraisch. Ihr Hab und Gut wurde verbrannt, ihre Ländereien beschlagnahmt, ihre Familien auseinander gerissen, … Als kleine Minderheit war ihre Situation nahezu aussichtslos, aber Allah (swt) erinnerte sie an die Gemeinschaft der Banu Israil, die ca. 2000 Jahre vor ihnen in Ägypten lebte. Auch sie waren in einer aussichtslosen Situation, doch Allah (swt) erwählte Prophet Moses (as) für sie als Führer und gab ihnen Hoffnung. Sie waren aber stets undankbar. Allah (swt) sandte zu keiner Gemeinschaft mehr Propheten, als zu den Banu Israil, trotzdem waren sie ungehorsam. Sie revoltieren und töteten viele Botschafter Allahs. Nur einige wenige unter ihnen, die Prophet Moses (as) und den anderen Botschaftern Allahs nahe standen, waren aufrichtige Gläubige und blieben trotz aller Drangsal standhaft.
Autor: Hessam Kordian







