Das Siegel der Propheten

Alle Muslime auf der Welt sind davon überzeugt, dass der Prophet des Islams der letzte Gesandte Gottes und der Islam die Krone der göttlichen Religionen ist. Die Gewissheit darüber, dass nach dem Propheten Mohammad kein weiterer Prophet mehr ausgesandt wurde, ist ein wichtiger Punkt im Islam. Der Heilige Koran, die Worte des Propheten, sowie die islamischen Überlieferungen dienen als Beweise für diese Wahrheit. Außerdem ist die Art der islamischen Lehre mit ihren Geboten in sich schon ein Beweis für ihre Unvergänglichkeit. Im Heiligen Koran wird unterstrichen, dass nach dem Propheten des Islams kein weiterer Prophet kommen werde. Zum Beispiel heißt es in der Sure 33 im Vers 40:

Muhammad ist nicht Vater einer eurer Männer, sondern der Gesandte Allahs und der letzte aller Propheten, und Allah besitzt die volle Kenntnis aller Dinge.

In einigen Koranversen steht auch, dass der Islam eine universale Religion ist, die für jeden Ort und jede Zeit gilt. Die Sure Furqan Vers 25, beginnt mit folgendem Vers:

Segensvoll ist Er, Der die Unterscheidung (gemeint ist der Koran) zu Seinem Diener hinab gesandt hat, auf dass er ein Warner für die Welten sei.

Gott, der Erhabene, hat seine Propheten ausgesandt, damit sie die Menschen einladen, vom Götzentum abzulassen und sich dem Ein-Gott Glauben zuzuwenden. Er hat sie ausgesandt, damit die Menschen sich dem Wissen und der Vernunft zuwenden und ihr Leben glücklich gestalten. Gott hat nach einer Weile immer wieder einen Propheten mit einer Erneuerung der Gesetze geschickt. Dies liegt daran, dass sich mit der Zeit die Bedürfnisse der Menschen änderten und die Menschheit einer neuen Botschaft bedurfte. Natürlich spielte auch der Aspekt mit, dass die vorherigen Himmelsschriften von Menschenhand verfälscht worden waren. Daher war es von Zeit zu Zeit nötig, dass ein neuer Prophet unter den Menschen auftrat.

Die Menschheit bewegt sich auf dem Weg der Entwicklung durch die Geschichte wie eine lange Karawane, die auf ihr Ziel zugeht, aber ihren Weg nicht genau kennt. Unterwegs trifft sie auf jemanden und fragt ihn nach den Wegzeichen. So legt sie ein weiteres Teilstück zurück bis der nächste Punkt erreicht ist, an dem sie wieder einen Wegweiser braucht. Allmählich erlangt sie immer mehr die Fähigkeit höhere Wahrheiten wahrzunehmen. Schließlich hat sie so viel Erfahrung gesammelt, dass ihr die gesamte Wegkarte vorgelegt werden kann, und sie mit diesem letzten Wegweiser und der Gesamtkarte den künftigen Weg genau erkennt.

Prophet Mohammad (ص) ist der letzte Wegweiser für die Karawane der Menschheit gewesen. Dieser Gottgesandte hat die gesamte Wegkarte, den Islam, vorgelegt, damit die Menschen zu Glück und Wohl gelangen. Als der Prophet den Islam überbrachte, hatte die Menschheit das geistige Niveau erreicht, auf dem sie die Wahrheit dieser großen Lehre erkennen konnte und bewahren würde. Einer der Gründe dafür, dass Gott nach Hazrate Mohammad, keinen Propheten mehr gesandt hat, ist diese geistige und soziale Reife der Menschheit gewesen. Wegen dieser geistigen Reife haben der Islam und der Koran entgegen den anderen heiligen Lehren und Schriften keine Verfälschung von menschlicher Hand erfahren.

Alle Propheten haben ihre Vorgänger bestätigt und den kommenden Propheten angekündigt: Der erste Prophet, Adam, hat Noah und die darauf folgenden Propheten verheißen, Moses kündigte das Kommen von Jesus und Jesus das Kommen von Mohammad an. Aber erst die Schrift des Islams verkündet, dass ihr Prophet, Mohammad, der letzte Gesandte Gottes ist.

Der Abbruch der Prophetenkette ist nicht als Ende der Religionslehre zu verstehen. Dieses Ereignis liefert vielmehr die erfreuliche Zukunftsperspektive, dass der Menschheit die Wahrheit der Religion mehr als zuvor bewusst geworden ist. Im heutigen Zeitalter wird zum Beispiel das Bedürfnis der Menschheit nach rettenden Lehren, mehr denn je verspürt. Auch zeigt die Erfahrung, dass Wissenschaft und Vernunft alleine nicht ausreichen, um den Menschen zur Quelle der Wahrheit, welche für sein Glück und Wohl bürgt zu führen. Dennoch taucht die Frage auf: Wenn das Prophetentum abgeschlossen ist, wie kann dann die Religion auf die zahlreichen neuen Fragen der menschlichen Gesellschaft eine Antwort geben? Das menschliche Leben ist ständigen Veränderungen unterworfen. Jeden Tag tauchen neue Fragen auf und wird die Stellungnahme der Religion dazu erforderlich. Auch wenn die Zeiten sich ändern, gibt es vieles was dennoch unverändert bestehen bleibt: Wie die Gesetze die im Dasein und in der Gesellschaft herrschen. Zum Beispiel ist das Gesetz der Schwerkraft, nach all der Zeit keiner Veränderung zum Opfer gefallen. Auch viele Regeln in den menschlichen Beziehungen bleiben bestehen. Zum Beispiel die Grundsätze der Gerechtigkeitssuche, die Menschenliebe und Aufrichtigkeit sind immer von den Menschen geschätzt worden, während man Lüge, Verdorbenheit, Mord und Verletzung der Rechte anderer immer getadelt hat.

Der Islam hat feste Gebote, die sich nicht ändern und allerorts und in jedem Zeitalter durchführbar sind und die Beziehungen in der menschlichen Gesellschaft regeln können. Aber es gibt im Islam auch Gebote, die entsprechend veränderter Bedingungen und Erfordernisse der Zeit neue Formen annehmen, damit sie die veränderten Bedürfnisse der Menschen in jedem Zeitalter erwidern können. Es gibt einen Weg im Islam, die Gesetze und Gebote, welche für die Regelung moderner Probleme nötig sind, aus dem Inhalt des Korans, der Tradition des Propheten, sowie aufgrund der Regeln der Vernunft abzuleiten. Dieser Weg nennt sich Ijtihad. Ein Mujtahid ist zu dieser Ableitung von Gesetzen befugt. Von den Unfehlbaren Imamen stammt folgender Hinweis: „Unsere Aufgabe ist es, die generellen Grundsätze und Regeln zu nennen und eure Aufgabe ist es die Nebenregeln von ihnen abzuleiten.“ Die Regeln für die Handhabung neuer Probleme, die im Laufe der Zeit auftauchen, können also auf dem Wege des korrekten Ijtihads gewonnen werden. Diese Besonderheit in der islamischen Lehre gibt ihr die nötige Kapazität zur Verwaltung der menschlichen Angelegenheiten. Der Koran, die letzte himmlische Schrift enthält so viel hohes Wissen, dass sie die Unklarheiten im menschlichen Leben aufdeckt. Dies verspricht der Vers 89 der Sure 16:

Und wir haben die Schrift auf dich hinab gesandt, um alles klarzulegen.

Die Lehre Mohammads entspricht nicht nur den Wandlungen, die im Laufe der Zeit entstehen, sondern fördert selber die Wandlung des Menschen, denn sie lädt zum Wissenserwerb ein und fordert die Menschen ständig auf, nachzudenken.

Anmerkung: Mit freundlicher Genehmigung der staatlichen Rundfunkgesellschaft des Iran (IRIB): http://german.irib.ir/
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