- Eine Ansprache von Imam Sayyid Ali Khamenei -
Der allmächtige Gott hat uns Muslime angewiesen, dem Propheten zu folgen, ihn in allen Lebenssituationen zu befolgen, seinem Wort, seinem Tun, seinem Leben, seinem Verhalten gegenüber anderen und der Familie, Freunden, gegenüber seinen Feinden und Fremden, Schwachen oder auch Starken zu folgen, denn er ist das Vorbild. Unsere islamische Gesellschaft ist nur dann im wahrsten Sinne des Wortes eine islamische Gesellschaft, wenn es sich in seinem Verhalten dem Propheten anpasst. Auch wenn es nicht möglich ist, vollkommen wie der Prophet zu sein, sollte man wenigstens versuchen, ihm ähnlich zu sein. Wir sollen uns nicht gegen den Lauf seines Lebens bewegen, sondern in gleicher Richtung. (…)
Der erste Akt im Leben des Propheten ist der Aufruf zu Gott und die Anstrengung auf dem Wege Gottes (dschihad). Sein wichtiges Werk war zum Recht und zur Wahrheit, zur Anstrengung auf diesem Weg aufzurufen. Der Prophet ließ sich bei der Konfrontation mit der dunklen Welt seiner Zeit nicht verwirren. Nicht an jenen Tagen, an denen er allein in Mekka war oder nur eine kleine Gruppe von Muslimen ihn umgaben, oder als sich die arroganten arabischen Stammesführer, die Sippenführer der Quraisch, die Gewaltherrscher, sich ihm brutal und machtsüchtig gegenüber stellten. Auch als das gemeine Volk, in Unkenntnis verhüllt, ihm gegenüberstand, fürchtete er sich nicht. Er sprach sein rechtes Wort, wiederholte es, erklärte es, er duldete die Beleidigungen, die Qual und die Leiden, um schließlich eine große Zahl von Muslimen um sich zu versammeln. Da gründete er einen islamischen Staat und wurde Oberhaupt dieses Staates.
Auch damals standen ihm verschiedene Feinde und Herausforderer gegenüber. Bewaffnete arabische Gruppen, wilde, ungebildete Menschen, die in den Wüsten von Hijaz und Yamama verstreut waren, die sollte der Islam ändern; sie leisteten aber Widerstand. Das gleiche gilt auch für die großen Könige jener Zeiten, zwei Supermächte dieser Zeit, die Königreiche von Persien und Rom. Der Prophet schrieb ihnen Briefe, debattierte mit ihnen, führte Kriege, erlitt Qualen, wurde wirtschaftlich isoliert, soweit, dass die Bewohner der Stadt Medina manchmal zwei oder drei Tage kein Brot zu essen hatten. Von allen Seiten wurde der Prophet bedroht. Manche waren beunruhigt, andere schwankten, einige jammerten, manche versuchten den Propheten zu Kompromissen zu überreden. Doch der Prophet ließ sich bei seinem Aufruf und Djihad keine Sekunde beirren. Er führte die islamische Gesellschaft machtvoll bis zum Gipfel der Würde und Macht. Und dieses System konnte in späteren Jahren Dank der Standhaftigkeit des Propheten auf Schlachtfeldern und bei seinem Aufruf zum Islam zur ersten Weltmacht emporsteigen.
Der zweite Akt aus dem Leben des Propheten beinhaltete sein Verhalten gegenüber dem Volk. Er hat niemals vergessen, volksnah und freundlich zum Volk zu bleiben und sich für Gerechtigkeit in der Gesellschaft einzusetzen. Er lebte wie andere Bürger und mit ihnen, verkehrte mit ihnen und schloss Freundschaften mit Dienern und den unteren Gesellschaftsschichten. Er speiste mit ihnen, besuchte sie und war immer freundlich zu ihnen. Die Macht hat ihn nicht verändert; der nationale Reichtum hat ihn nicht verändert. Sein Verhalten in schwierigen Zeiten war das gleiche wie zu Zeiten des Wohlstandes. Er kam aus dem Volk und gehörte zu ihnen, war nett zu ihnen und wünschte ihnen Gerechtigkeit. Im Krieg Khandagh, als die Muslime in Medina von allen Seiten umstellt waren und keine Nahrungsmittel in die Stadt gebracht werden konnten und der Proviant ausging, so dass die Menschen manchmal zwei oder drei Tage nichts zu essen hatten, in dieser schwierigen Situation half der Prophet selbst mit, den Schutzgraben um die Stadt auszuheben. Er nahm an der Arbeit teil und hungerte genauso wie die anderen Menschen.
Der dritte Akt aus dem Leben des Propheten befasst sich mit seiner Andacht und seinen Gebeten zu Gott. Seine hohe Stellung und seine Größe und Würde haben ihn niemals das Gebet vergessen lassen. Mitternachts weinte er und betete zu Gott um Vergebung. Umm Salama sah eines Nachts, dass der Prophet verschwunden war. Sie suchte ihn und sah ihn im Gebet vertieft, die Tränen liefen über seine Wangen und er bat um Vergebung; er betete: „O Herr, überlasse mich keinen Augenblick meiner selbst.“ Auch Umm Salama musste weinen. Der Prophet hörte sie und sagte: „Was machst du denn hier?“ Sie erwiderte: „O Prophet, du, der du doch so geliebt bist von Gott und deine Sünden vergeben sind. Warum weinst du dann und bittest Gott, uns nicht uns selbst zu überlassen?“ Er sagte: „Wenn ich Gott vergesse, wer wird mich dann noch erhalten?“
Das ist eine Lehre für uns. Am Tag der Würde, am Tag der Schmach, an jedem Tag der Not, am Tag des Wohlstandes, an jenem Tag, an dem der Feind uns umstellt hat; an dem Tag, an dem sich der Feind mit all seiner Macht dem Menschen und seinem ganzen Wesen aufzwingt, und in allen Lebenslagen, da gilt die große Lehre des Propheten: Immer Gott im Sinn haben, Gott nicht zu vergessen, sich auf ihn stützen und von ihm wollen.
Quelle: www.khamenei.ir







