„Du schaust zu den Bergen und meinst, sie bewegten sich nicht, doch sie ziehen dahin wie die Wolken. Das ist das Werk Gottes, Der alles vollkommen erschaffen hat (27:88).“
Um zu einem richtigen Gottesbild zu gelangen, müssen wir uns mit Tauhid beschäftigen. Eine Frage die in diesem Zusammenhang immer wieder gestellt wird lautet: „Warum gibt es den Schaytan oder allgemeiner ausgedrückt – das Böse?“ Über diese interessante Frage gibt es viele ausführliche Abhandlungen. Wir wollen versuchen die Frage möglichst kurz und präzise zu beantworten:
Als erstes müssen wir festhalten, dass Allah (swt) absolut gut ist. Als Er die Geschöpfe erschuf, schuf er alles gut und vollkommen. Aufgrund Seiner Barmherzigkeit wurde der Mensch vor den anderen Geschöpfen ausgezeichnet mit der Willensfreiheit. Damit der Mensch wählen kann, musste es jedoch eine Alternative geben zum Guten und das ist das Nicht-Gute oder Böse. Das Böse hat nämlich selber kein eigenes Dasein. Es ist vielmehr das Nicht-Vorhandensein des Guten. Es ist genauso wie mit der Dunkelheit. Es gibt keine Dunkelheit, sondern nur die Abwesenheit von Licht. Genauso wenig gibt es einen Tod, sondern nur die Abwesenheit von Leben. Das Böse ist das Fehlen des Guten bzw. die Abwesenheit Allahs. Existent ist nur das Gute bzw. Allah (swt). Allah (swt) schuf nicht das Böse, sondern erlaubte dem Schaytan bis zu einer bestimmten Frist den Menschen eine Alternative anzubieten, aber dazu (inschaallah) später mehr.
Der berühmte christliche Theologe Edward John Carnell sagte: „Gott (…) kann nicht selber Erschaffer der Sünde sein, denn Sünde ist das Ergebnis einer Auflehnung gegen Gott. Kann sich Gott gegen sich selbst auflehnen?“ Die Freiheit wurde nicht geschaffen damit wir Sünden begehen und Verderben stiften auf der Welt. Der freie Willen wurde den Menschen und Dschinns gegeben, damit sie Allah (swt) aus eigener Überzeugung dienen können.
Wie könnten wir sonst unseren Glaube und unsere Liebe zum Allmächtigen bezeugen? Ohne Wahlfreiheit könnten wir uns weder für noch gegen Allah (swt) entscheiden. In einem solchen Gedankenmodell wären Liebe, Gehorsam und Unterwerfung unter dem Willen Allahs unmöglich, denn diese Punkte basieren allesamt auf Freiwilligkeit. Ohne Freiheit wäre jede Handlung ein automatisierter Zwang. Jede Handlung und jedes Wort wäre absolut korrekt. Alle Menschen wären fehlerfrei. Wir würden Robotern und Maschinen gleichen, die nur das tun können, was ihnen einprogrammiert wurde. Doch ist das der Zweck unserer Schöpfung?
Nein. Ansonsten hätte Allah (swt) den Engeln nicht befohlen, sich vor Prophet Adam (as) niederzuknien. Die Engel sollten sich vor ihm niederknien, weil er als neues Geschöpf eine Besonderheit aufwies. Diese Besonderheit war seine große Verantwortung (Stellvertreter Gottes auf Erden). Denn wenn mit der Existenz des Menschen keine Verantwortung verbunden wäre, hätte es auch keine Notwendigkeit für Freiheit gegeben.
Der Befehl zum Niederwurf kam erst, nachdem Allah (swt) Prophet Adam (as) alle “Namen gelehrt” hatte. Wissen und Verstand besaßen sie auch, aber im Gegensatz zu den Menschen besitzen sie keine Willensfreiheit. Mit dieser besonderen Segnung wurden nur die Menschen und Dschinns ausgezeichnet. Daher heißt es im heiligen Quran bezüglich der Engel:
“Sie widersetzen sich keinem Befehl Allahs und führen alles aus, was ihnen befohlen wird (66:6)”
Da Iblis zu den Dschinns gehörte besaß er die Freiheit sich zu widersetzen. Wäre er ein Engel gewesen, hätte er sich automatisch niedergeworfen. Bevor er sich dazu entschloss ungehorsam zu werden, war er ein treuer Diener. Man könnte sogar sagen, er war einer der größten Gelehrten. Laut Überlieferungen (ahadis) diente er 6000 Jahre lang Allah (swt). Er kannte sich bestens aus mit dem Glauben. Es gab kein Offenbarungsbuch und keine Überlieferung (hadis), die er nicht kannte. Wir können also nicht sagen, dass Iblis aus Unwissenheit agierte. Nein, ganz im Gegenteil. Er war belesen und weise.
Das Motiv seines Ungehorsams war Stolz und Eitelkeit. Er widersetzte sich dem Befehl Allahs mit den Worten: “Ich bin besser als er. Mich hast du aus Feuer erschaffen und ihn nur aus Lehm (38:76).” Nach diesem Ereignis wurde er Iblis (Entäuschter) genannt. Sein wirklicher Name war bis dahin Azazil. Nach seinem Glaubensabfall erbat Iblis eine Frist, in der er Allah (swt) “beweisen” wollte, dass die Menschen ihm folgen werden. Jene Frist wurde ihm gewährt, aber er wurde gleichzeitig darauf hingewiesen, dass er keinerlei Macht über den Menschen hat, außer der Mensch lädt ihn ein. Allah sagt hierzu:
“Wer das Rechte tut, es ist für seine eigene Seele; und wer Böses tut, es ist wider sie. Und dein Herr ist niemals ungerecht gegen seine Diener (41:47).”
Das Böse wurde zugelassen, damit wir in Freiheit entscheiden können, ob wir Allah (swt) dienen wollen oder nicht. Diese Dualität (Gut und Böse) lässt Erkenntnis entstehen zwischen dem Erkennenden (Mensch) und dem Erkannten (Allah). Durch das Böse lernen wir das Gute bzw. Allah (swt) zu schätzen. Imam Ali (as) sagte:
„Wisset, dass Ihr die Rechtleitung erst dann erkennen könnt, wenn Ihr auch den erkennt, der sie vernachlässigt hat, dass Ihr euch erst dann (ganz) an die quranische Verpflichtung halten könnt, wenn Ihr erkennt, wer sie missachtet hat, und dass Ihr erst dann gemäß dieser handeln könnt, wenn Ihr den erkennt, der sie zurückgewiesen hat. (…)“
Wahre Gläubigkeit beruht auf Erkenntnis und freiwilligen Gehorsam. Die Bereitschaft Allah (swt) dienen zu wollen, muss aus eigener Kraft und Erkenntnis erfolgen. Freiheit ist ein Bestandteil der menschlichen Natur (fitra) und nicht getrennt von anderen islamischen Werten wie z.B. Frieden und Gerechtigkeit. Eine Freiheit, die z.B. zur Ungerechtigkeit führt, kann daher keine Freiheit sein. Dementsprechend ist Freiheit begrenzt durch eben die Werte der Wahrheit.
Ein Artikel von Hessam Kordian.








Ich bin einfach nur sprachlos. MASALLAH!!!
Möge Allah uns vor dem verfluchten Shaytan schützen. Ya Rab!